Montag, 6. September 2010

Die Rückkehr

Die Reise nach Fernost stand kurz vor ihrem Ende. Das Einzige, was mich noch von Deutschland trennte, war die Rückreise.

Geplant war, mit dem Bus zum Flughafen zu fahren und dann über Dubai nach Düsseldorf zu fliegen. Klingt alles ganz einfach :)

Vier Stunden vor Abflug bin ich also mit dem Bus in Foshan losgefahren (normalerweise 1 Std Fahrtzeit). Auch wenn ich die Strecke zum Flughafen bereits 3mal gefahren bin, durfte ich je 3 verschiedene Strecken kennenlernen. Die Auswahl meiner letzte Route war dann eine absolute Katastrophe. Wir standen 1 Stunde in einer ewig langen Baustelle im Stau. Da die Kanaldeckel ca. 3cm oberhalb des Fahrbahnbelags lagen, stand die ganze Straße unter Wasser. Dazu kam, dass der Straßenrand und der Standstreifen von Baumaterialien, Werkzeug und Müll blockiert wurde, so dass auch die chinesische Flexibilität nicht greifen konnte. Mir ist wirklich ein Rätsel, wie ein Busfahrer eine solche Strecke auswählen kann!

Dank meiner mehr als großzügigen Planung kam ich also knapp 2 Stunden vor Abflug im Flughafen an. Die Warteschlange für den einzigen Emiratesflug schlängelte sich bereits durch die ganze Eingangshalle. Also, knapp eine Stunde anstehen! Als wir endlich zu den ersten Absperrbänder kamen, wurde die Warteschlange kurz hinter mir dicht gemacht und damit auch der Checkin begrenzt. Kaum war ich am Schalter, sollte ich mein Zeug wieder einpacken und erstmal die Gebühren für meine Umbuchung begleichen. Da ich nirgendwo einen Info-schalter oder ähnliches von Emirates gesehen hatte, war ich davon ausgegangen, dass das am Checkin beglichen werden könnte. Tja, falsch gedacht :( Ich bin also wieder losgezogen zu einem Ticketschalter des Flughafens, in den Farben der Flughafengesellschaft. Selbst, wenn ich diesen Schalter vorher gesehen hätte, hätte ich nicht versucht dort mein Geld loszuwerden! Dort angekommen, stand ich natürlich wieder in der Warteschlange! Die nette Dame hinter dem Counter war die Ruhe selbst...auf der anderen Seite des Counters sah das vollkommen anders aus :) Ich habe mich irgendwann in das nette Gespräch eingemischt und mich vorgedrängelt. Na super...das Begleichen von Umbuchungsgebühren ist ein riesen Papierkrieg. Die gute Dame hat Formulare und Durchschläge en mass ausgefüllt. Bezahlen mit Kreditkarte war ihr eigentlich auch nicht recht: das Gerät war bereits in ihrer Tasche verstaut. Der ganze Mist dauerte und dauerte. Meine Blicke auf die emirates-Checkinschalter ließen meine Puls immer weiter steigen. Die ersten Counter wurden bereits geschlossen, die Mitarbeiter zogen sich zurück und ich wartete immer noch auf meinen Beleg *ahhhh*. Nachdem ich endlich meinen Wisch hatte, bin ich wieder durch die Halle gejoggt und habe dort noch 2 Leute am Schalter angetroffen, die gar nicht begeistert waren mich zu sehen. Es musste dann geprüft werden, ob man den Computer noch überreden könne einen weiteren Passagier zu erlauben und einzuchecken. Nachdem der Schichtleiter sein okay gegeben hatte und den Computer noch freischalten ließ, konnte ich immerhin mein Ticket bekommen. Das Gepäck konnte ich aber nicht mehr einfach aufgeben. Das musste über den Sperrgepäckcounter geregelt werden...also wieder rennen. Nachdem ich mein Zeug los war und mein Ticket hatte, waren es noch 15-20min bis zum Ende des Boardings. Davor lagen nur noch die Zollkontrolle, Leibesvisitation und Ausweis-/Ausreisekontrolle. Na bravo...für all den Scheiß hatte ich natürlich mehr als genug Zeit! Um all die nette Checks pünktlich zu packen, rannte ich nur noch durch den Flughafen und später natürlich auch noch zu einem der letzten Gates. Am Ende hab ich es knapp und nass geschwitzt geschafft. Wegen schlechten Wetters und organisatorischer Engpässe blieb der Flieger dann aber doch noch 20min am Boden! Na, hätte ich das mal gewusst... Flug und Rückreise liefen dann im Großen und Ganzen problemlos.

Ergebnis: Nach 5 Monaten bin ich wieder zurück in Deutschland und freue mich euch alle wieder zu sehen!

Bis die Tage

Donnerstag, 2. September 2010

Shanghai

Der letzte Ausflug wurde nochmal spannend: Shanghai samt Expo mussten schließlich noch besucht werden.

Shanghai ist wieder eine vollkommen andere Stadt. Nach Hongkong und Peking nun die dritte Variante einer chinesischen Metropole. Glücklicherweise konnte ich bei einer Bekannten unterkommen und ein gemütliches Sofa bzw. später sogar ein Bett (sie hat auswärts genächtigt) genießen. Die Unterkunft der Hostessen und Hosts des dt. Expo-Pavillons können sich wirklich sehen lassen - eine 4 Sterne Anlage mit Pool, Fitnessräumen und netten Appartements, die man sich zu dritt teilt.

Der Expobesuch war natürlich Pflicht :) Wirklich spannend wurde es aber erst, als ich nicht mehr allein von Pavillon zu Pavillon inkl. Warteschlange latschen musste. Mit einem freundlichen Lächeln und Mitarbeiterausweis konnte mich meine Bekannte an der ein oder anderen Warteschlange vorbeischleusen. Richtig nett war auch der Abschluss des Tages im südafrikanischen Pavillon: Weinprobe mit Häppchen für alle mit Mitarbeiterausweis ;).

Neben der Expo habe ich die wichtigsten Touri-stationen mitgenommen: Bund, Yu Garden, Najing Lu, People Square, Pudong und French Concession. In der Nähe von Shanghai liegt Suzhou, eine kleinere Stadt mit vielen flachen Gebäuden und einigen alten Sehenswürdigkeiten sowie netten Kanälen, die man mit kleinen Bötchen erkunden kann.

Auch an dieser Stelle nochmal 1000-Dank für die tolle Zeit, Unterkunft und Führung :)

Inzwischen bin ich nochmal für eine Nacht in Foshan angelangt. Als nette Begrüßung wollte mich der Taxifahrer verarschen. Als ich Einstieg nannte er mir eine Zahl: Für mich klang es eindeutig nach 14 (shi si), was auch dem üblichen Preis entspricht. Ich bin davon ausgegangen, dass er mir als nette Info den Fahrpreis nennt und dachte mir dabei nichts weiter. Ich achtete dummerweise nicht mehr auf das Taxameter, das er nicht eingeschaltet hatte, wie ich nachher mit Schrecken erfahren musste. An der Uni angekommen, wollte der gute Mann dann plötzlich 44 Kuai haben und meinte er hätte si si (vier vier, was aber auch nicht 44 heißt!) gesagt. Gut, dass ich Kleingeld hatte. Der Typ hat dann 15 Kuai bekommen, ich bin ausgestiegen und der Typ musste fluchend abhauen...er parkte dummerweise auch noch vor einer Ausfahrt und musste zügig weiterfahren. Arschloch!

Morgen Abend mache ich mich dann wieder auf den Weg nach Deutschland.

Die Reise nach Fernost geht ihrem Ende entgegen!


EXPO:
Blick vom Balkon des Appartements auf den chinesischen Pavillon
Das Highlight des deutschen Pavillons. Eine Kugel, die im Raum schwingt und dank zig LEDs beliebige Motive darstellen kann. Die Bewegung und Motive der Kugel lassen sich dazu durch Schall steuern - lautes Klatschen zum Beispiel!
im dt. Pavillon wird ganz bewusst mit Klischees gespielt. Ein Schrebergarten mit Taubenzucht als Animation mit Tönen
der deutsche Pavillon


Shanghai:
Es gibt auch wirklich alte Hotels
In Shanghai hat wirklich die Möglichkeit richtig lecker und europäisch, österreichisch Kuchen zu mampfen

Das wohl meist fotografierte Motiv der Stadt - Blick auf Pudong


Suzhou:

Donnerstag, 26. August 2010

das war es nun fast

Heute war mein letzter Tag in Foshan. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, meine Sachen gepackt und mich schon ein kleines bisschen auf Shanghai gefreut. Beim Mittagessen wurde mir dann mitgeteilt, dass heute Abend eine kleine Abschiedsfete geplant sei. Die beiden Chinesischstudentinnen haben also gekocht. Nach einem längeren und wirklich leckeren Abendessen saß ich dann noch mit einem der deutschen Praktis und den beiden Chinesinnen im Esszimmer und haben gequatscht. Dabei haben wir ein bissel Bier getrunken und eine Flasche chinesischen Schnaps getrunken. Obwohl der Schnaps nicht wirklich stark war, 15%, war eine der beiden Chinesinnen ziemlich fix voll! Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie unbedarft die Chinesen mit Alkohol umgehen :) Sowas haben wir alle mit 14,15 oder 16 hinter uns gebracht! Nach einiger Zeit auf der Toilette erholte sie sich aber schnell wieder. Am Ende des Abends ging es ihr wieder gut ;)

Dazu haben ich heute meine Papiere, Zeugnisse usw. bekommen… kurz um… mein Praktikum ist offiziell abgeschlossen!

Morgen geht es also ab nach Shanghai… ich bin gespannt, was mich dort erwartet!

Dienstag, 24. August 2010

und weil es so schön war...

ging es am vergangenen Wochenende noch einmal nach Hongkong. Der primäre Grund war allerdings, dass mein Visum 1,5 Wochen zu früh ausläuft. Daher MUSSTE ich leider nochmal nach Hongkong und dort ein neues Visum beantragen. Ich hatte mich bereits über das Internet über Agenturen und Angebote schlau gemacht und wusste daher was auf mich zu kommen würde. Im Hotel wollten Sie mir noch den doppelten Preis abnehmen. Die Agentur lag, dank guter Planung und etwas Glück, nur etwas mehr als 5min vom Hotel entfernt. Beantragung und Abholung am nächsten Tag waren kein Problem ;)


mein riesiges Zimmer


Im Anschluss an den anstrengenden Teil blieben mir noch fast drei Tage in Hongkong. Donnerstag und Freitag bin ich relativ ziellos durch die Gegend gelaufen, habe verschiedene Straßen abgeklappert, die auf der Karte eingezeichnet oder hervorgehoben sind. Hat wirklich Spaß gemacht! Komisch war nur, dass mich plötzlich niemand mehr angestarrt hat. Keiner ruft "hello" hinter einem her… ungewohnt! In Hk ist ein Weißer eben nichts besonderes mehr :)

Im Hostel haben ich noch einen weiteren Deutschen kennengelernt, der für einige Tage in Hk verweilte, eigentlich aber in Thailand Urlaub machte. Abends sind wir dann auf Empfehlung seines Reiseführers in das berüchtigte Chunking Mansion zum Inder Essen gegangen. Wer wissen möchte, wieso das Gebäude so berüchtigt ist, kann ja mal auf hostelworld.com nach günstigen Hostels in Kowloon Hongkong suchen und dort auf die Besucherbewertungen achten! Das Gebäude ist praktisch Little India in Hong Kong, in einem Gebäude! Die meisten Passagen im Zentrum von Kowloon glitzern, sind sauber, hell beleuchtet und echte Aushängeschilder für Hongkong. Nicht so Chunking Mansion. Es ist dreckig, heruntergekommen, vollgestopft mit Indern und zig kleinen Schrottläden für allen Scheiß. Um zu den Hostels oder Restaurants zu kommen, muss aber an all den netten Herren vorbei, die einem die besten Angebote vom maßgeschneiderten Anzug bis zur Batterie andrehen wollen. Immerhin konnten uns die netten Herren zeigen zu welchem Aufzug wir mussten. Ohne Hilfe hätten wir den sicher nicht gefunden - wie auch bei schummriger Beleuchtung und wenig Schildern. Nun gut…also am Aufzug angestellt, brav hinter die Absperrung und rauf in den 3. Stock. Ziemlich unscheinbar liegt dann das Restaurant dort versteckt. Nach kurzem Warten bekamen wir einen Tisch und fix auch wirklich leckeres Essen zu genialen Preisen. Was macht man nach dem Essen? Genau, man verlässt das Lokal bzw. das Gebäude. Draußen auf dem Flur stand schon eine Menschentraube vor dem Aufzug und wartete. Ich wusste bereits aus den Hostelbewertungen, dass der Aufzug ewig braucht und viel zu klein ist… 30sek später tauchte auch schon ein Kellner auf und fragte uns, ob wir nicht auch die Treppen nehmen könnten. Konnten wir natürlich ;) Aber das Treppenhaus war der nächste Knaller! Ich habe außerhalb von mittelalterlichen Burgen nicht mehr so viele dunkle und kaum einsehbare Kämmerchen und Ecken gesehen, wie in diesem baufällig aussehenden Treppenhaus. Ich kann gut verstehen, wieso insbesondere Frauen sich unwohl in dem Gebäude gefühlt haben. Nach einem kurzen Kampf durch die netten "Produktberater" im Erdgeschoss spuckte uns Little India wieder aus. Manchmal ist eben auch ein Gebäudebesuch ein Abenteuer!


Wer mehr wissen möchte oder Fotos sucht:
http://gohongkong.about.com/od/whattoseeinhk/ss/Chunkingtour.htm
http://www.michaelconnelly.com/Photo_Gallery/Photo_Gallery/photo_gallery_6.html



Am nächsten Tag hatte ich geplant der Großstadt, dem Lärm und all der bösen Technik zu entfliehen. Ich wollte eine der Inseln besuchen - Lamma Island. Die Insel ist wirklich ein Traum. Es gibt keine Straßen, lediglich Wege für Kleinstfahrzeuge und Fahrräder oder eben Fußgänger. Die Insel ist enorm grün und dementsprechend ruhig. Ein traumhafter Tag im Grünen, am Strand (inkl. einer kleinen Bierpause) mit einer kleinen Wanderung quer über die Insel rundeten den Ausflug ab. 20 min vom Zentrum Hongkongs entfernt diese Idylle zu erleben, die so einfach zu erreichen ist, ist schon nett!


Ankunft auf der Insel
das erste Dorf mit der typischen Straßenbreite
eine der vielen schönen Buchten
ein paar Häuser mitten auf der Insel im Wald
ein Wanderweg durch den tropischen Wald (breiter werden die Wege auf der Insel wirklich nicht
Strand
noch mehr Strand
der weit weniger schöne zweite Ort der Insel


Am Sonntag bin dann wieder heim gefahren. Zuvor musste noch ein deftiges Mittagsmahl im Irish Pub überstanden werden…wie ihr euch denken könnt, fiel auch diese Hürde ohne größere Schwierigkeiten. An der Grenze ging dann mal ausnahmsweise alles ganz fix. Auf der hongkonger Seite ging es wie gewohnt flüssig von statten. Auf der chinesischen Seite gab es aber eine Überraschung. Im Kanal für Ausländer stand exakt eine Person vor mir. Besser geht es wirklich nicht!

Es war also erneut ein tolles Wochenende in Hongkong. Heute habe ich meinen Praktikumsbericht geschrieben und eingereicht. Mal sehen, ob da noch was zurückkommt. Sonst bereite ich mich nun auf den letzten großen Streich meines Chinaausflugs vor: Shanghai.

Bis in wenigen Tagen!!!



endlich wieder richtiges Frühstück samt leckerem Chocolate Chips Muffin
noch ein leckeres Frühstück - samt der einzigen engl. Zeitung, die rumlag
ich frage mich jeder Mal, wie lange ein Mitarbeiter des deutschen Gesundheitsamts ohne Herzkasper überleben würde :)
Wo hat man das schon einmal gesehen? Schlange stehen, um in ein Geschäft eingelassen zu werden

Mittwoch, 18. August 2010

Das Ende naht

In den letzten Tagen gab es wirklich mal wieder was interessantes zu tun. Nach unserer Reise nach Yunfu durfte ich meine Eindrücke zusammenfassen und auf mögliche Probleme hinweisen. Dabei habe ich mir schon extrem viel Mühe gegeben und wirklich versucht nicht zu kritisch zu werden. Mein Chef fand es trotzdem zu direkt und hat es in "chinesischen Stil" übertragen. Ich kann zwar leider nicht sagen, wie viel meiner Arbeit dann in Yunfu angekommen ist, aber die Rückmeldung lautete wohl, dass Ihnen vieles neu sei und Ihnen vieles gar nicht so wichtig erschienen sei. Mein Lieblingsbeispiel sind verschiedene Webseiten, die sich mit der Stadt, Wirtschaftsförderung und dem Industriepark beschäftigen und Werbung darstellen sollen. Da sie alle den Behörden unterstehen, wäre es auch sinnvoll, wenn die Inhalte zusammenpassen würden und auch wirklich alle offiziellen Informationsangebote ein gewisse Reife erreichen würden - für einige Menschen ist sowas noch nicht selbstverständlich!

Eine weitere Dienstreise der letzten Tage führte mich nach Zhongshan. Dort soll ein Technologiezentrum eingerichtet werden. Derzeit werden daher Informationen zusammengetragen, die schlussendlich in einer Werbebroschüre zusammengefasst werden sollen. Da die Zielgruppe vor allem deutsche Unternehmen umfasst, habe ich also angefangen, die Daten zu sichten und in einer groben Form zusammenzustellen. Die Krönung meiner Arbeit folgte dann aber noch ;) Mein Chef hatte die gute Idee, dass auch eine Webseite für das Zentrum nötig sei. Ich solle doch mal einen Prototyp entwickeln. Die meisten von euch wissen, wie tief ich in der Materie Webdesign drinstecke… naja dank netter Vorlage (kostenfrei, ohne Lizenzen) und tief vergrabener Kenntnisse in HTML, CSS, Javascript und meinem Lieblingsthema Grafikbearbeitung hatte ich nach etwa 3-4 Stunde ein zeigbares Ergebnis (2 Seiten^^). Mehr als ein Prototyp ist es meiner Meinung nach nicht… aber im Vergleich zu den anderen Designs, die ich sonst so gesehen habe, war die Freude meines Chefs nicht mehr ganz so überraschend ;)

Ich möchte die Chance noch nutzen, um euch einen Eindruck der Kantine in der Firma zu vermitteln. Alles was man nicht isst, legt oder spuckt man auf den Tisch. So (meist noch etwas wüster, insbesondere, wenn es viele Knochenteile oder Knorpel im Essen gibt) sieht es also nach dem Essen in der Kantine aus.


So, meine Arbeit ist praktisch abgeschlossen. Morgen begebe ich mich nach Hong Kong. Hoffentlich kann mich Hk nochmal so begeistern, wie das letzte Mal!

Donnerstag, 12. August 2010

Was bisher geschah...

… letzte Woche war wie bereits berichtet nur mäßig spannend. Interessant wurde es am Donnerstag. Dr. Gan nahm zwei Praktis aus Neuss und mich mit nach Zhongshan. Dort wurde in Kooperation mit der Firma hier ein erfolgreicher Industriepark aufgebaut, der nun um ein Technologiezentrum erweitert werden soll. Am liebsten wäre es Ihnen, wenn sie das Konzept der German Center, wie in Shanghai oder Peking, übernehmen könnten. Das Spannende an dem Ausflug war aber weniger das Konzept ;)

Da wir drei Deutschen angemeldet waren, hatten sich die Bosse drauf geeinigt, dass wir eine Führung durch den Industriepark bekommen würden. Diesmal kam keine Planänderung dazwischen und der Führung stand nichts im Wege. Wir wurden also dem Business Investment Office - Vice-Manager (das steht so auf der Visitenkarte) vorgestellt, der uns durch den Park begleiten sollte. Nach zwei Sätzen war auch schnell klar, dass unsere Gespräche wohl nicht ausarten würden. Der gute Mann sprach leider noch weniger Englisch als ich Chinesisch (und das ist schon schwierig). Wir fuhren also durch den Park und er versucht mir auf Chinesisch zu erklären, was das alles so sein könnte. Meine grandiosen Sprachfertigkeiten reichten dann meist dazu, um zu verstehen, worüber er sprach, nur leider nicht, was er mitteilen wollte.
Beispiel: Auf der Seite seht ihr… Hier ist das… Dahinter ist… Links liegt das… Diese 3 Gebäude sind…

Einige Gebäude sowie ein Park waren tatsächlich ganz nett anzusehen. Zurück im Büro haben wir uns dann erstmal an seinen Rechner begeben und mit Hilfe des yahoo-Übersetzers, die wichtigsten Infos in eine richtige Sprache übertragen. Ich frage mich immer noch, wie sie Firmen aus dem Ausland anlocken können/wollen. Ständig einen Dolmetscher auf den Füssen stehen zu haben, ist keine Freude. Eine Präsentation mit Dolmetscher ist es übrigens auch nicht - weder für Zuhörer noch für den Sprecher!

Das Essen zum Abschluss war immerhin wieder ein großer Genuss mit ein paar Bier und leckerem Fleisch, Fisch, Gemüse…kurz allem was man in China so erwarten kann.

Gestern wurde es dann kurios! Nach dem Mittagessen ist Schlafenszeit. Die Lichter in den Büros gehen bis 13:30h aus und jeder macht es sich an seinem Schreibtisch bzw. auf dem Sofa, wenn er eins hat, gemütlich. Da meine Klimaanlage bis heute kaputt war, war mein Schlaf dementsprechend dürftig und ich hundemüde. Als ich pünktlich um 13:28h (ich hab den Rhythmus sehr schnell verinnerlicht ^^) aufwachte, lag ein Zettel auf meinem Tisch. Der Chef habe mit den chinesisch Lehrerinnen der andern Praktis gesprochen, ich solle um 15:30h mit Ihnen nach Hause fahren.
Danke für die Info und natürlich danke dafür, dass ich während der Überbringung nicht geweckt wurde ;). Da ich aber jegliche nutzlose Arbeit bereits erledigt hatte, hatte ich keinen Bock mehr zu warten und bin bereits um 14h auf eigene Faust losgezogen. Nach einer ausgiebigen Pause bei Starbucks und dem Studium der chinesischen Presse (in Shanghai werden alle Gebäude, die vor 1999 gebaut wurden innerhalb der nächsten 20 Jahre abgerissen!) war ich um kurz nach 4 wieder zu Hause. 20min später klingelte das Handy…ich solle mich fertig machen…Abendessen auswärts… wir wurden von den Eltern eines der Teilnehmer am Austausch mit der FH Aachen eingeladen. Also wieder was Leckeres vor die Stäbchen. Mein Zeitmanagement war grandios. Wäre ich tatsächlich bis halb 4 in der Firma geblieben und hätte ich brav meine Zeit abgesessen, wie es die Chinesen meist tun, hätte ich mich reichlich beeilen müssen. Das Essen brachte auch wieder was spannendes: meine dritte Schlangenvariante und Gemüse mit Schlangenhaut. Das Zeug wird zwar nicht auf die Liste meiner Leibgerichte gesetzt, aber als Abwechslung zwischendurch darf man es ruhig mal auf den Tisch stellen.

Heute sind wir dann nach Yunfu gefahren. Eine kleine (3 Mio. Menschen) unterentwickelte Stadt, 130km entfernt. Reisezeit über die wirklich gute Autobahn: 2:30 Std, ohne Stau oder Unfall! Der erste Eindruck war wenig überraschend. Was Chinesen unter einem Zentrum verstehen habe ich ja bereits am Beispiel der Möbel- und IT-Zentren beschrieben. In Yunfu gibt es dementsprechend mehr als 1000 (ich meine wirklich tausend) Steinhändler entlang einer langen Straßen. Die Geschäfte dort bedienen den gesamten chinesischen Markt und versuchen sich ebenso am Export ihrer Waren. Als Zentrum rangiert Yunfu an Position 3 in China. (Ohne Planwirtschaft würde es solche "Zentren" wahrscheinlich nie und nimmer geben!)
Wir sind dann zum "Investment Promotion Service Center" der Stadt gefahren. Das Gebäude und die Räumlichkeiten sind richtig abgewrackt! Im letzten Raum, der mit 2 Sofas, 3 Teekannen und eine Klimaanlage eher einem Verließ glich, fanden wir unsere Gesprächspartner. Mein Tipp: Dieses Gebäude ist für jeden Investor tabu! Die Überraschung des Tages: Ein Vertreter der Büros sprach brauchbar Englisch. So konnten Jens und ich unsere Aufgabe erfüllen und ein paar halbwegs kritische Fragen über den Industriepark stellen. Das winzige Projekt, ~300 Mio €, will nicht viel mehr erreichen als eine neue Stadt neben der alten Stadt hochzuziehen. 2 Häfen, 1 Bahnlinie, 2 Autobahnen, Stadtzentrum, Wohnanlagen, 1 CBD und natürlich der Industriepark selbst. An sich sind wieder alle scharf auf ausländische Investoren. Dummerweise haben bisher nur chinesische Firmen unterschrieben… Nach einem Blick auf den Plan und einige hübsche Bildchen ging es dann auf Tour durch die Baustellen des Parks. Im Anschluss…oh Wunder…na, wer errät es…na, kommt schon…genau: Mittagessen! Hinter dem Rathaus, eines der ganzen wenigen in China ohne hohe Mauern und Soldaten am Tor, liegt ein netter Park mit Gästehäusern für Gäste der Behörden und Restaurants für Veranstaltungen mit und von den Behörden. Nach einem leckeren "Schmeiß -Rein" haben wir uns wieder auf die Heimreise gemacht…

Morgen geht es wieder ins Büro…drückt mir die Daumen!


das besagte Rathaus
Warum können unsere modernen High-Tech LKWs eigentlich so wenige Fahrzeuge transportieren?

Donnerstag, 5. August 2010

Die neue Abteilung

Seit letzter Woche sollte ich an sich in eine andere Abteilung kommen. Leider hat die nette Sekretärin zwei Tage "vergessen" sich zu melden. Nachher klang es für mich eher danach, dass sie sich nicht sicher war, was sie mit mir anfangen sollte. Nun ja...am dritten Tag landete ich dann also doch hier. Ein Telefongespräch auf höherer Ebene war überzeugender ;)
Ich kam also morgens ins Büro. Dort wurde mir ein Tisch frei geräumt und ich habe meinen PC aus einem anderen Büro rüber geholt. Traumhaft dachte ich, jetzt kann es mit Verspätung also losgehen.
Nach dem Studium der Produktbroschüren war ein Meeting mit dem Abteilungsleiter und der Sekretärin angesetzt. Das überraschende Thema: Was ich denn machen will!? Nicht das im Hintergrund bereits mehrere Gespräche zu dem Thema gelaufen wären...aber Planlosigkeit herrschte und herrscht trotzdem. Inzwischen sitze ich den dritten Tag ziemlich tatenlos herum und studiere die internationale Presse. Ein interessanter Auszug befindet sich am Ende dieses Beitrags.
An sich ist mir heute Vormittag zugesichert worden, dass ich nach der Mittagspause mit Arbeit versorgt werde...die Spannung steigt...noch ist Arbeit aber nicht in Sicht (Stand: 14:15h)!
Bei soviel Arbeit freue ich mich dafür umso mehr auf die nächsten Reisen. In 2,5 Wochen geht es nochmal für 4 Tage nach Hong Kong und kurz darauf eine Woche nach Shanghai.
 
Habe ich eigentlich bereits durchblicken lassen, dass mir diese Planlosigkeit und Unorganisiertheit der Chinesen langsam tierisch auf den Senkel geht!? Langsam sind meine reichen Vorräte an interkultureller Kompetenz, Offenheit und Toleranz aufgebraucht...
 
Ich habe ja hin und wieder durchblicken lassen, dass in China Statistiken als Ausdruck von Kreativität verstanden werden. Nach und nach wird zumindest in den englischen Ausgaben der chinesischen Nachrichten ebenfalls darüber berichtet.
(Ob diese Nachricht in der chinesischen Version so oder ähnlich existiert weiß ich nicht. Viele Kommentare weisen jedoch darauf hin, dass die übersetzten Versionen keineswegs mit den chinesischen Ausgaben übereinstimmen müssen.)
 
 
BEIJING - The total sum of China's regional GDP figures in the first half of this year was about 1.5 trillion yuan ($220 billion) more than the national figure released by the National Bureau of Statistics (NBS), a strong indication that there is false reporting by regional governments, according to analysts, officials and media reports.
(...)
Experts believe local government officials have long been deliberately inflating their own GDP figures in an effort to prove their strong stewardship of their economies.
Liu Yuanchun, a senior economist at the school of economics at Renmin University of China, said this phenomenon has been the inevitable result of a current political assessment mechanism - one which still depends greatly on local GDP performance to judge officials' ability.
In addition, reliable numbers can be acquired only if local statistical departments are totally independent, he said.
"If the statistical departments are under the management of local city or provincial government, how to guarantee the statistics are objective?" he said.
Quelle:  
http://www.chinadaily.com.cn/china/2010-08/02/content_11078522.htm

Nachtrag:
Am fünften Tag habe ich nach langer Diskussion endlich Arbeit bekommen. Die Arbeit stammt zwar nicht aus der Abteilung in der ich sitze, sondern von meinem eigentlichen Chef. Verlassen kann ich die neue Abteilung aber auch nicht, da dies zu einem Gesichtsverlust meiner eigentlichen Betreuerin führen würde. Da ihre Leistung wiederholt nicht berauschend war, möchte mein Chef dies vermeiden. Interessant ist, dass in dieser Variante alle glücklich sind, nur ich dumm rumsitze, keiner Gespräche führt, die er nicht führen will und Kritik einfach ausgesessen werden kann. Auch ne gute Variante mit (Miss-)Leistung umzugehen. Wie dem auch sei, ich sitze also in der neuen Abteilung und mache weiter eine ähnliche Arbeit wie zuvor. Der Unterschied besteht darin, dass ich um einige Facetten der chinesischen Arbeitsmentalität reicher bin!