Samstag, 10. April 2010

Ein Abendessen unter Freunden

Gestern Abend wurde es spannend! Ein Bekannter meines Chefs hat zum Essen eingeladen nachdem sein Sohn für zwei Wochen aus Stuttgart zurückgekehrt ist.

Wir betraten also das Restaurant, das im Großen und Ganzen aussieht wie wir es kennen - nur alles eben etwas größer! An der Tür sagten wir mit wem wir verabredet sind. Die nette Bedienung bat uns ihr zu folgen und wir liefen und liefen, ach und liefen durch das Restaurant. Ich dachte die ganze Zeit schon daran an welche abgelegenen Tisch wir uns denn nun setzen sollen *grübel*. Da aber auch in China Restaurants irgendwann mal durchquert sind, verließen wir das Restaurant auf der anderen Seite wieder und wurden zum Fahrstuhl geführt. In der erste Etage wurden wir dann in einen eigenen kleinen Banquetraum geleitet. Der Raum hatte 2 Sofas, einen Sessel, einen kleinen Tisch und natürlich den Esstisch für etwa 15 Gäste. Nebenan befand sich noch ein kleiner Raum, um die von unten gelieferten Speisen zu sammeln und ggf. herzurichten. Außerdem hielt sich dort ständig ein Teil des Personals auf.

Der Tisch bestand aus einer großen runden drehbaren Platte auf der die verschiedenen Speisen platziert wurden. Wenn ich mich nicht verzählt habe, gab es etwa dreimal 12 Speisen. Auf Grund der Fülle von Speisen ist es auch gar nicht so schlimm, wenn man die eine oder andere nicht so schmackhaft findet. Die Auswahl ist immer groß genug!

Zu meinem Glück wurde mir ein Platz neben dem Sohn des Gastgebers angeboten, so dass ich mit ihm auf Deutsch reden konnte. Andernfalls hätte ich drei Stunden recht gelangweilt die chinesischen Gespräche verfolgen müssen. Ein weiterer Vorteil war, dass er mir erklären konnte, was überhaupt abging. Welche Teller für was zu benutzen sind und welches Schälchen nun welche Rolle spielt. Meine beiden Nachbarn haben mir auch immer tatkräftig das Schälchen voll geladen, so dass ich ohne auf dem Tisch wild an kompliziert zu greifenden Speisen rumwurschteln musste. Gastfreundschaft wird wirklich groß geschrieben!

Spannend waren die vielen verschiedenen Speisen alle Mal! Einiges sehr lecker, anderes weniger, probiert habe ich aber alles! Das exotischste war sicherlich die Schlange. Sie war technisch auch am schwierigsten zu essen. Ich komme eigentlich ganz gut mit den Stäbchen klar. Einfaches chinesisches Essen in der Mensa oder so bringt mich nicht ins schwitzen. Die Schlange und Geflügel sind aber ein Problem. Das Schlangenfleisch löst sich recht schlecht, so dass man auf der einen Seite das Stück Fleisch sehr fest mit den Stäbchen greifen muss und auf der anderen Seite recht kräftig mit den Zähnen das Fleisch abzieht. Geflügel besteht hier zu 80% aus Knochen, die leicht mit Fleisch und Haut bedeckt sind. Auch hier gilt es so ein Flügelchen fest zwischen den Stäbchen zu packen und das Fleisch vom Knochen zu reißen. Die Schlange schmeckte nicht sonderlich atemberaubend und enthält einfach viel zu viele Knorpel! Der geneigte Leser merkt schon wie viel Knochen und Knorpel im Essen sind. Daher ist es auch notwendig am Tisch so was auf seinen Unterteller spucken zu können. Irgendwie kann ich mich trotzdem nicht daran gewöhnen…

Zum Essen gab es Tee aus bierglasgroßen Gläsern und Snaps. Der Snaps war wohl sehr teuer (mehr als 100€ die Flasche), wurde aber karaffenweise getrunken und immer nachgefüllt. Der erste Snaps ging mir recht quer runter. Danach ging es besser ;) Nachdem mein Chef mitgeteilt hatte, dass ich beim Militär war, sprang auf der anderen Seite ein Gast auf, der 20 Jahre beim Militär gedient hat, um mit mir einen zu trinken…von Soldat zu Soldat wie mir erklärt wurde. 2 min später kam der nächste von der anderen Seite des Tisches und wollte auch einen mit mir trinken. Den habe ich dann aber nicht mehr ausgetrunken. Mein deutsch sprechender Tischnachbar wies mich auch schon nach dem zweiten Glas darauf hin, dass ich nicht immer mittrinken solle und auch ein halbes Glas trinken könne. Genau das habe ich auch getan. In dem Tempo wäre ich untergegangen! Immerhin für das Austrinken eines kompletten Glases gab es Beifall. Europäer haben damit wohl häufig Probleme.

Eine interessantes Detail noch: In dem Raum lief während der ganzen Zeit ein Fernseher und zeigte Werbung , wie wir sie von QVC kennen, inkl. Ton!

Eine andere Welt…aber spannend, auch wenn ich mir hin und wieder recht deplatziert vorkomme!

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