Am vergangenen Wochenende sind 5 Praktikanten (18-19 Jahre alt) aus Neuss eingetroffen. Der Kreis oder die Stadt finanziert einen Großteil ihres zweimonatigen Aufenthalts. Die ersten Tage waren recht hart für die Jungs. Die Unterkunft, ein Hotel in der Nähe des Campus, entsprach nicht ganz ihren Erwartungen. Der Ausblick auf eine Baustelle und Mehrbettzimmer, die zum Teil nochmal gereinigt werden mussten, kamen wohl etwas unerwartet. Inzwischen haben sie sich aber besser eingelebt. Das Essen mit Stäbchen klappt inzwischen, das Essen (wir haben seit 1,5 Wochen eine Köchin!) schmeckt ihnen und die ersten Ausflüge konnten ebenso überzeugen. Ich bin mal gespannt, wie sich ihre Begeisterung weiter entwickelt. Die nächste größere Baustelle dürfte das Überwinden der 24-stündigen Bemutterung durch die betreuenden Studenten sein. Sie studieren Chinesisch auf Lehramt und unterrichten die Praktis. Zusätzlich begleiten sie sie bei Touren durch die Stadt und zu anderen Sehenswürdigkeiten. Obwohl heute Sonntag ist, kreuzten die beiden eben nach dem Mittagessen hier auf. Dr. Gan hatte ihnen den Auftrag gegeben irgendwas zu besuchen - ein Kloster oder so. Leider wusste die Gruppe der Praktis nichts davon, die diese Überraschungen nicht sonderlich schätzen.
Da die deutsche Horde bei uns im Appartement isst, wandern sie entsprechend häufig über den Campus. Nach nur 2 Tagen fragten mich meine chinesischen Bekannte irritiert, ob ich wisse, wo die Europäer alle herkämen und was sie hier wollen. Es spricht sich eben schnell rum, wenn Ausländer auftauchen…
Für mich war die Woche dann ziemlich langweilig. Wir haben für die Betreuung der Praktis ein Büro eingerichtet bzw. die Einrichtung überprüft. In diesem Büro werden die Praktis Chinesisch lernen. Im Anschluss wird das Büro dann für ein Projekt zum Aufbau eines Technologieparks in einer nahegelegenen Stadt genutzt. Von derartigen Projekten ist immer mal wieder die Rede… praktisch habe ich noch keins gesehen, in dem mehr als warme Worte ausgetauscht wurden. Diesmal soll aber ein konkreter Auftrag vorliegen und auch bereits Personal aus den anderen Abteilungen für das Projekt umgeplant worden sein. Leider werde ich nicht mehr erleben, ob diesmal alles anders sein wird. In 40 Tagen bin ich schließlich wieder zurück.
Sonst gab es ein paar Meetings und viel Leerlauf. An sich war geplant, dass ich ab Mittwoch in eine andere Abteilung komme. Dummerweise blieb der finale Anruf aus. Donnerstag rührte sich dann auch nichts… Meine Chefs könnten auch nur mit den Schultern zucken und sagen, dass könne in China eben passieren - das sei typisch!
Wirklich erfreulich ist, dass meine Brieffreundschaft mit emirates nun beendet ist. Mein Flug konnte umgebucht werden und die entsprechenden Kosten sind geringer als zwischenzeitlich vermutet. Dazu ist auch geklärt, dass ich in Shanghai für eine Woche unterkomme und höchstwahrscheinlich (hier meine ich die deutsche Bedeutung des Begriffs) eine persönliche Führung über die Expo bekomme inkl. der Möglichkeit die stundenlange Wartezeit vor den Pavillons zu verkürzen.
Die letzten 6 Wochen könnten also, zumindest zum Teil, noch recht spannend werden.
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