Im Anschluss an den anstrengenden Teil blieben mir noch fast drei Tage in Hongkong. Donnerstag und Freitag bin ich relativ ziellos durch die Gegend gelaufen, habe verschiedene Straßen abgeklappert, die auf der Karte eingezeichnet oder hervorgehoben sind. Hat wirklich Spaß gemacht! Komisch war nur, dass mich plötzlich niemand mehr angestarrt hat. Keiner ruft "hello" hinter einem her… ungewohnt! In Hk ist ein Weißer eben nichts besonderes mehr :)
Im Hostel haben ich noch einen weiteren Deutschen kennengelernt, der für einige Tage in Hk verweilte, eigentlich aber in Thailand Urlaub machte. Abends sind wir dann auf Empfehlung seines Reiseführers in das berüchtigte Chunking Mansion zum Inder Essen gegangen. Wer wissen möchte, wieso das Gebäude so berüchtigt ist, kann ja mal auf hostelworld.com nach günstigen Hostels in Kowloon Hongkong suchen und dort auf die Besucherbewertungen achten! Das Gebäude ist praktisch Little India in Hong Kong, in einem Gebäude! Die meisten Passagen im Zentrum von Kowloon glitzern, sind sauber, hell beleuchtet und echte Aushängeschilder für Hongkong. Nicht so Chunking Mansion. Es ist dreckig, heruntergekommen, vollgestopft mit Indern und zig kleinen Schrottläden für allen Scheiß. Um zu den Hostels oder Restaurants zu kommen, muss aber an all den netten Herren vorbei, die einem die besten Angebote vom maßgeschneiderten Anzug bis zur Batterie andrehen wollen. Immerhin konnten uns die netten Herren zeigen zu welchem Aufzug wir mussten. Ohne Hilfe hätten wir den sicher nicht gefunden - wie auch bei schummriger Beleuchtung und wenig Schildern. Nun gut…also am Aufzug angestellt, brav hinter die Absperrung und rauf in den 3. Stock. Ziemlich unscheinbar liegt dann das Restaurant dort versteckt. Nach kurzem Warten bekamen wir einen Tisch und fix auch wirklich leckeres Essen zu genialen Preisen. Was macht man nach dem Essen? Genau, man verlässt das Lokal bzw. das Gebäude. Draußen auf dem Flur stand schon eine Menschentraube vor dem Aufzug und wartete. Ich wusste bereits aus den Hostelbewertungen, dass der Aufzug ewig braucht und viel zu klein ist… 30sek später tauchte auch schon ein Kellner auf und fragte uns, ob wir nicht auch die Treppen nehmen könnten. Konnten wir natürlich ;) Aber das Treppenhaus war der nächste Knaller! Ich habe außerhalb von mittelalterlichen Burgen nicht mehr so viele dunkle und kaum einsehbare Kämmerchen und Ecken gesehen, wie in diesem baufällig aussehenden Treppenhaus. Ich kann gut verstehen, wieso insbesondere Frauen sich unwohl in dem Gebäude gefühlt haben. Nach einem kurzen Kampf durch die netten "Produktberater" im Erdgeschoss spuckte uns Little India wieder aus. Manchmal ist eben auch ein Gebäudebesuch ein Abenteuer!
Wer mehr wissen möchte oder Fotos sucht:
http://gohongkong.about.com/od/whattoseeinhk/ss/Chunkingtour.htm
http://www.michaelconnelly.com/Photo_Gallery/Photo_Gallery/photo_gallery_6.html
Am nächsten Tag hatte ich geplant der Großstadt, dem Lärm und all der bösen Technik zu entfliehen. Ich wollte eine der Inseln besuchen - Lamma Island. Die Insel ist wirklich ein Traum. Es gibt keine Straßen, lediglich Wege für Kleinstfahrzeuge und Fahrräder oder eben Fußgänger. Die Insel ist enorm grün und dementsprechend ruhig. Ein traumhafter Tag im Grünen, am Strand (inkl. einer kleinen Bierpause) mit einer kleinen Wanderung quer über die Insel rundeten den Ausflug ab. 20 min vom Zentrum Hongkongs entfernt diese Idylle zu erleben, die so einfach zu erreichen ist, ist schon nett!
Am Sonntag bin dann wieder heim gefahren. Zuvor musste noch ein deftiges Mittagsmahl im Irish Pub überstanden werden…wie ihr euch denken könnt, fiel auch diese Hürde ohne größere Schwierigkeiten. An der Grenze ging dann mal ausnahmsweise alles ganz fix. Auf der hongkonger Seite ging es wie gewohnt flüssig von statten. Auf der chinesischen Seite gab es aber eine Überraschung. Im Kanal für Ausländer stand exakt eine Person vor mir. Besser geht es wirklich nicht!
Es war also erneut ein tolles Wochenende in Hongkong. Heute habe ich meinen Praktikumsbericht geschrieben und eingereicht. Mal sehen, ob da noch was zurückkommt. Sonst bereite ich mich nun auf den letzten großen Streich meines Chinaausflugs vor: Shanghai.
Bis in wenigen Tagen!!!
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