Montag, 31. Mai 2010

hoher Besuch

Letzte Woche meldete sich dann hoher Besuch an. Meine Freundin trat ihren 3-wöchigen Chinaurlaub an.
Meine Chefs haben mir für diese Zeit überraschend frei gegeben, da ich mich schließlich um meinen Gast kümmern müsse. Als nette Zugabe haben sie noch einige Ausflüge in Foshan und Umgebung geplant.

Als erstes ging es zum größten sitzenden Buddha der Welt. Auch wenn der Titel schon viel verspricht, war ich von der wahren Größe trotzdem beeindruckt. Der Buddha steht in mitten eines wirklich großen Naturschutzgebietes. Darin befinden sich einige weitere kleine Tempel, ein Bambuswald und viele Wanderwege. Aber seht selbst:







Zu Miao 祖庙
Eigentlich hatten meine Chefs geplant mit uns ins Kloster 祖庙 zu gehen. Leider kam kurzfristig ein Termin dazwischen, so dass wir lediglich, etwas überrascht, die Eintrittskarten für das Kloster auf meinem Laptop fanden. Das Kloster liegt mitten in der Stadt und dient als Museum für die Entwicklung des Kung Fus. Viele Namenhaften Entwicklungen rund um diese Kampfkunst stammen aus dieser Region Chinas. Heute wird das Kloster noch immer von einigen Mönchen bewohnt und zu Trainingszwecken genutzt. Viele interessierte Kampfsportler aus dem Westen reisen in dieses oder auch andere Klöster der Region um ihre Kampfsportfähigkeiten auszubauen. Während unseres Besuchs nahm auch ein Weißer am Training der Mönche teil. Im Vergleich zu den Chinesen bewegte er sich jedoch recht hölzern ;)
Darüberhinaus ist das Kloster schön hergerichtet und bietet viele kleine Teiche und Gebäude, in denen man den Stress der 50m entfernten Stadt einfach vergessen kann.






Der größte liegende Buddha (der Region) und ein altes Dorf
Der nächste Ausflug führte uns zu einem großen liegenden Buddha. Das Gelände um den Buddha herum befindet sich zum Teil noch um Bau, so dass es im Vergleich zum ersten Buddha nicht mithalten kann.



Neben dem Buddha befindet sich auf dem Parkgelände noch ein tibetisches Kloster. Leider ist es nicht in besonders gutem Zustand und liegt etwas abgelegen…Da tibetische Klöster allerdings recht selten sind, war es natürlich toll eines zu besuchen ;)


Die Buddhas werden ausschließlich durch Spenden der immer wohlhabenderen Chinesen finanziert, die für ihren Erfolg danken wollen. Die Buddhas sollen außerdem das Fengshui der Region verbessern. Die Auswahl der Berge für solche Statuen beruht im Grunde nur darauf...

Im Anschluss sind wir dann in ein altes Dorf (etwa 200 Jahre alt) gefahren. Das Dorf wurde von einem General und seinen Angehörigen bewohnt. Es war ein Geschenk für seine treuen Dienste. Es ist schon imposant zu sehen, dass die Chinesen vor 200 Jahren in der Lage waren eine funktionierende Reihenhaussiedlung inklusive Kanalisation zu errichten und zu unterhalten. Viele der Gebäude sind inzwischen zerfallen, vermitteln aber immer noch einen guten Eindruck vom Leben in dieser Siedlung. Derzeit ist diese Dorf nicht für Touristen erschlossen, so dass sich auch nur wenige Fremde dorthin verirren. Dafür erlaubt gerade dieses Detail ein ganz anderes China kennenzulernen.




Nach all der Kultur steuerten meine Chefs dann ein kleines Restaurant in der Nähe der Siedlung an. Wie man auf dem Foto erkennt, wirkt es nicht sonderlich vertrauenerweckend. Das Essen war aber wohl das beste, was ich hier bisher bekommen habe. Die Küche war praktisch offen im Hof mit einem großen Wok über offenem Feuer. Das deutsche Gesundheitsamt hätte sich wahrscheinlich nicht einmal die Mühe gemacht Proben in dem Laden zu nehmen und es direkt dicht gemacht, aber wer braucht schon saubere Kühlschränke, wenn das Fleisch erst wenige Stunden vor der Zubereitung erlegt wird!? Der Fisch und das Fleisch sind fast überall vom selben Tag...

Yang Jiang 阳江- am Strand

Vor zwei Wochen hatte ich endlich die Möglichkeit Foshan zu verlassen und mit einem Bus voller Chinesen und drei Internationals gen Meer zu fahren. Zwei der Ausländer arbeiten an der Uni als Englischlehrer, die Dritte als Lehrerin an einer Grundschule deren Hauptqualifikation darin besteht, dass sie Muttersprachler sind. Weitere Qualifikationen sind weder an der Uni noch an der Grundschule wirklich notwendig.

Morgens um 7:30h trafen wir uns also auf dem Campus und sind recht zügig um 8:15h los gekommen ;) Nach drei Stunden Fahrerei kamen wir am Meer an und durften uns erst einmal stärken. Seafood auf einem Schiff. Das Essen war recht einfach und überzeugte nicht 100%ig…aber schlecht wars auch nicht. Danach fuhren wir weiter an einen Strand. Leider wusste niemand so recht wie lange wir am Strand bleiben würden und ob es sich lohnt die Badehosen auszupacken. Also hat lediglich der amerikanische Pauker mit Tourette-Syndrom die Möglichkeit zum Baden wahrgenommen. Alle Anderen sind am Wasser entlang spaziert, auf den Felsen rumgeklettert und haben das super Wetter genossen - natürlich im Schutz von Sonnenschirmen. White is beautiful!



Irgendwie hatte doch jemand mitbekommen, dass die Tourleiterin eine Uhrzeit genannt hatte zu der wir weiterfahren sollten. Nachdem sich diese Uhrzeit irgendwann auch ins Englische verirrt hatte und ich somit auch endlich mal einen Idee des Plans mitbekam, fragte ich also kurz vor der besagten Uhrzeit die anderen, ob wir nicht mal wieder zum Bus zurückgehen sollten…Naja in China lautet die Antwort natürlich nicht: Ups, ich habe die Zeit vollkommen vergessen, los geht’s ;) Stattdessen hieß es, die andern sind auch noch hier und hier ist es so schön. Wenn die Tourleiterin ihren Zeitplan WIRKLICH einhalten möchte, wird sie uns schon Bescheid geben. Mit diesem Verständnis von Zeit und Planung war die nette Frau zwar im Nachhinein nicht wirklich einverstanden, aber die Verspätung von nur etwas mehr als einer Stunde ist nun auch wirklich nicht der Rede wert ;)

Im Anschluss ging es dann ins Hotel. Die Unterkünfte waren in Wohnungen mit 3-6 2-Bettzimmern unterteilt. Natürlich gab es nicht genug Herren um zwei Wohnungen zu beziehen, aber auch zu viele, um in ein Appartement zu passen. Am Ende haben sich 4 chinesische Studenten 2 Betten geteilt. Als International hatte ich, ebenso wie alle anderen Ausländer aber ein Bett für mich allein, samt eines grandiosen Ausblicks auf den Strand und das Meer.


Am zweiten Tag ging es in ein kleines Kloster und verschiedene schöne Ausflugsziele bevor wir wieder zurück nach Foshan gefahren sind. Um den grandiosen Preis von 180 Yuan (etwa 20Euro bei dem derzeitig beschissenen Wechselkurs) inkl. Unterkunft, Busfahrt, drei Mahlzeiten und der Orga ;) irgendwie gewinnbringend gestalten zu können, haben wir aber noch bei 2 Einkaufszentren gehalten, die die Reiseleiter prozentual am Umsatz ihrer Reisegruppe beteiligen. Immerhin gab es in dem einen Zentrum noch einige interessante Ausstellungen zum Schmiedehandwerk in der Region, so dass wir uns nicht nur im Markt rumdrücken mussten.


Alles in allem ein schönes Wochenende!!!

Donnerstag, 13. Mai 2010

Die Arbeit

Da ich schon länger nicht mehr geschrieben habe, gibt es diesmal eine Zusammenfassung der letzten Tage:

Arbeit kann ja auch Spaß machen, aber wenn sie ausfällt, ist dennoch kaum jemand traurig. Eigentlich war für den Tag eine weitere Ausbildungssession für die Berufsschullehrer geplant. Uneigentlich wurde die Session kurzfristig auf letzten Dienstag verlegt. Da man aber nicht genauso flexibel neue produktive Beschäftigungen auftreiben kann, kann man auch einfach zu der besagten Berufsschule fahren und mit dem Direktor sowie mit einigen seiner Kollegen zum Essen gehen. Gesagt getan…somit gings mittags zum Taubenessen. Ich konnte mich nun also durch 6 verschiedene Zubereitungen von Tauben mampfen ;) Solche Arbeitstage sind wirklich unerträglich…:)
Sonst beschäftige ich mich während der Arbeit derzeit mit dem dualen Ausbildungssystem und versuche es den chinesischen Berufsschullehrern klar zu machen...

Themenwechsel:
Vorgestern durfte ich dann erfahren, dass die Leute, die ich auf dem Campus kennengelernt habe alle in der kommunistischen Partei als aktive Mitglieder geführt werden. Daher werde ich meine Kommentare nun doch etwas vorsichtiger auswählen müssen.
Übrigens…die Leute lernen hier an der Uni, dass in Europa die Woche am Sonntag beginnt. Also alle mal fix umdenken, wenn ich bitten darf!

Am Wochenende werde ich dann mit den Englischstudenten (eig. Studentinnen…ist "leider" ein typischer Frauenstudiengang) ans Meer fahren. Witzigerweise können die alle nicht schwimmen…ich frage mich, wie ein Besuch am Meer von statten geht ohne zu baden?! Naja…ich bin schließlich hier um zu lernen. Ich werde die Augen offen halten - nach dem Meer versteht sich! ;)

Weil das Reisen bekanntlich Spaß macht, habe ich inzwischen auch meine Trips nach Hongkong und Peking vorbereitet und die Unterkünfte klar gemacht. Die Vorfreude wächst!

Hier mal ein Beispiel für chinesischen Umweltschutz. Stellt euch mal vor, dass die nun mit nem BMW X5 fahren würden…die Chinesen habe das Thema eben wirklich verstanden! (Der Roller kommt gerade von einer Schnellstraße!)

Sonntag, 2. Mai 2010

Was geschah

Nach längerer Pause gebe ich nun auch wieder etwas von mir!
Ich habe endlich einige nette chinesische Studenten kennengelernt, die sogar der englischen Sprache mächtig sind ;). Na ratet mal, was sie studieren…richtig, Englisch. Jeder der hier kein Englisch studiert oder täglich mit Ausländern zu tun hat (so was habe ich hier leider noch nicht getroffen - Ausländer gibt es praktisch keine hier) spricht wirklich bescheidenes Englisch. Das schließt Schul- und Büroleiter sowie Lehrer ein. Daher ist von allen anderen Leuten erst recht wenig Englisch zu erwarten. Nach wenigen Minuten wurden aus zwei hübschen Studentinnen dann sechs hübsche Englischstudentinnen :-), die mir unbedingt eine Art Dessert vorstellen wollten. Also ging es mit den 6 Mädels (wann gab es das mal in Lautern?) in eine kleine chinesische Fressbude um Süßkartoffeln mit eine quark-/puddingartigen Masse zu essen. Insbesondere letzteres war sehr erfrischend und recht lecker.

Dieses Wochenende habe ich mir dann noch ein Drachenbootrennen in Nanhai (南海) angesehen. Mein Chef hat mich im Vorfeld bereits gewarnt. Da die Veranstaltung offiziell von den Behörden organisiert wurde, gäbe es wenig Spaß. Mein Chef hatte natürlich recht ;) Man konnte wenig sehen und die Atmosphäre war eher mäßig. Alle guten Aussichtsplattformen, die noch frei waren, wurden von der Polizei abgesperrt, so dass große Teile des Flussufers nicht zugänglich waren. Verstehe das wer will! Die grandios unspektakuläre Stimmung hängt wohl auch damit zusammen, dass die Veranstaltung in mitten eines Neubaugebiets, auf einem künstlichen Fluss stattfand. Die Gebäude und auch das Einkaufszentrum sehen wirklich spitze aus. Auch die Grünflächen dürfen sich sehen lassen…aber gemütlich ist das alles nicht. Im Juni findet wohl ein großes Drachenbootrennen in einem der Dörfer statt. Da soll es lustiger zugehen!

ein Drachenboot ;)durch puren Zufall habe ich das Siegerboot etwa 50m hinter der Ziellinie erwischt
Es war schon ein bissel was los!so schlecht sieht das gar nicht aus ;)


Ich bin mal gespannt, wann China unter der eigenen Immobilienblase zerdrückt wird. Hier wird soviel gebaut, dass der Bedarf bereits lange gedeckt ist. Gebäude werden selten älter als 15 Jahre, bevor sie abgerissen werden und neue moderne Häuser hochgezogen werden. Das Angebot steigt enorm schnell, die Leerstände dummerweise ebenso. Ein siebenstöckiges Einkaufszentrum im Stadtzentrum ist nur bis Stockwerk 3 mit Waren voll gestopft. In allen anderen Etagen herrscht gähnende Leere mit vereinzelten Ständen. Trotzdem werde neue Gewerbeflächen im Zentrum erschlossen…ewig lassen sich die offiziellen Statistiken nicht mehr schönen, die das Ganze noch am Leben halten…

Zum Abschluss noch eine erfreuliche Nachricht: Ich war heute das erste Mal wieder Sport treiben…dazu bin ich die fünf Minuten zum Sportplatz der Uni und habe einige Runden gedreht. Drückt mir die Daumen, dass ich die Motivation dazu auch in Zukunft finden werde. Bei den Temperaturen wird das nicht leicht ;)