Montag, 6. September 2010

Die Rückkehr

Die Reise nach Fernost stand kurz vor ihrem Ende. Das Einzige, was mich noch von Deutschland trennte, war die Rückreise.

Geplant war, mit dem Bus zum Flughafen zu fahren und dann über Dubai nach Düsseldorf zu fliegen. Klingt alles ganz einfach :)

Vier Stunden vor Abflug bin ich also mit dem Bus in Foshan losgefahren (normalerweise 1 Std Fahrtzeit). Auch wenn ich die Strecke zum Flughafen bereits 3mal gefahren bin, durfte ich je 3 verschiedene Strecken kennenlernen. Die Auswahl meiner letzte Route war dann eine absolute Katastrophe. Wir standen 1 Stunde in einer ewig langen Baustelle im Stau. Da die Kanaldeckel ca. 3cm oberhalb des Fahrbahnbelags lagen, stand die ganze Straße unter Wasser. Dazu kam, dass der Straßenrand und der Standstreifen von Baumaterialien, Werkzeug und Müll blockiert wurde, so dass auch die chinesische Flexibilität nicht greifen konnte. Mir ist wirklich ein Rätsel, wie ein Busfahrer eine solche Strecke auswählen kann!

Dank meiner mehr als großzügigen Planung kam ich also knapp 2 Stunden vor Abflug im Flughafen an. Die Warteschlange für den einzigen Emiratesflug schlängelte sich bereits durch die ganze Eingangshalle. Also, knapp eine Stunde anstehen! Als wir endlich zu den ersten Absperrbänder kamen, wurde die Warteschlange kurz hinter mir dicht gemacht und damit auch der Checkin begrenzt. Kaum war ich am Schalter, sollte ich mein Zeug wieder einpacken und erstmal die Gebühren für meine Umbuchung begleichen. Da ich nirgendwo einen Info-schalter oder ähnliches von Emirates gesehen hatte, war ich davon ausgegangen, dass das am Checkin beglichen werden könnte. Tja, falsch gedacht :( Ich bin also wieder losgezogen zu einem Ticketschalter des Flughafens, in den Farben der Flughafengesellschaft. Selbst, wenn ich diesen Schalter vorher gesehen hätte, hätte ich nicht versucht dort mein Geld loszuwerden! Dort angekommen, stand ich natürlich wieder in der Warteschlange! Die nette Dame hinter dem Counter war die Ruhe selbst...auf der anderen Seite des Counters sah das vollkommen anders aus :) Ich habe mich irgendwann in das nette Gespräch eingemischt und mich vorgedrängelt. Na super...das Begleichen von Umbuchungsgebühren ist ein riesen Papierkrieg. Die gute Dame hat Formulare und Durchschläge en mass ausgefüllt. Bezahlen mit Kreditkarte war ihr eigentlich auch nicht recht: das Gerät war bereits in ihrer Tasche verstaut. Der ganze Mist dauerte und dauerte. Meine Blicke auf die emirates-Checkinschalter ließen meine Puls immer weiter steigen. Die ersten Counter wurden bereits geschlossen, die Mitarbeiter zogen sich zurück und ich wartete immer noch auf meinen Beleg *ahhhh*. Nachdem ich endlich meinen Wisch hatte, bin ich wieder durch die Halle gejoggt und habe dort noch 2 Leute am Schalter angetroffen, die gar nicht begeistert waren mich zu sehen. Es musste dann geprüft werden, ob man den Computer noch überreden könne einen weiteren Passagier zu erlauben und einzuchecken. Nachdem der Schichtleiter sein okay gegeben hatte und den Computer noch freischalten ließ, konnte ich immerhin mein Ticket bekommen. Das Gepäck konnte ich aber nicht mehr einfach aufgeben. Das musste über den Sperrgepäckcounter geregelt werden...also wieder rennen. Nachdem ich mein Zeug los war und mein Ticket hatte, waren es noch 15-20min bis zum Ende des Boardings. Davor lagen nur noch die Zollkontrolle, Leibesvisitation und Ausweis-/Ausreisekontrolle. Na bravo...für all den Scheiß hatte ich natürlich mehr als genug Zeit! Um all die nette Checks pünktlich zu packen, rannte ich nur noch durch den Flughafen und später natürlich auch noch zu einem der letzten Gates. Am Ende hab ich es knapp und nass geschwitzt geschafft. Wegen schlechten Wetters und organisatorischer Engpässe blieb der Flieger dann aber doch noch 20min am Boden! Na, hätte ich das mal gewusst... Flug und Rückreise liefen dann im Großen und Ganzen problemlos.

Ergebnis: Nach 5 Monaten bin ich wieder zurück in Deutschland und freue mich euch alle wieder zu sehen!

Bis die Tage

Donnerstag, 2. September 2010

Shanghai

Der letzte Ausflug wurde nochmal spannend: Shanghai samt Expo mussten schließlich noch besucht werden.

Shanghai ist wieder eine vollkommen andere Stadt. Nach Hongkong und Peking nun die dritte Variante einer chinesischen Metropole. Glücklicherweise konnte ich bei einer Bekannten unterkommen und ein gemütliches Sofa bzw. später sogar ein Bett (sie hat auswärts genächtigt) genießen. Die Unterkunft der Hostessen und Hosts des dt. Expo-Pavillons können sich wirklich sehen lassen - eine 4 Sterne Anlage mit Pool, Fitnessräumen und netten Appartements, die man sich zu dritt teilt.

Der Expobesuch war natürlich Pflicht :) Wirklich spannend wurde es aber erst, als ich nicht mehr allein von Pavillon zu Pavillon inkl. Warteschlange latschen musste. Mit einem freundlichen Lächeln und Mitarbeiterausweis konnte mich meine Bekannte an der ein oder anderen Warteschlange vorbeischleusen. Richtig nett war auch der Abschluss des Tages im südafrikanischen Pavillon: Weinprobe mit Häppchen für alle mit Mitarbeiterausweis ;).

Neben der Expo habe ich die wichtigsten Touri-stationen mitgenommen: Bund, Yu Garden, Najing Lu, People Square, Pudong und French Concession. In der Nähe von Shanghai liegt Suzhou, eine kleinere Stadt mit vielen flachen Gebäuden und einigen alten Sehenswürdigkeiten sowie netten Kanälen, die man mit kleinen Bötchen erkunden kann.

Auch an dieser Stelle nochmal 1000-Dank für die tolle Zeit, Unterkunft und Führung :)

Inzwischen bin ich nochmal für eine Nacht in Foshan angelangt. Als nette Begrüßung wollte mich der Taxifahrer verarschen. Als ich Einstieg nannte er mir eine Zahl: Für mich klang es eindeutig nach 14 (shi si), was auch dem üblichen Preis entspricht. Ich bin davon ausgegangen, dass er mir als nette Info den Fahrpreis nennt und dachte mir dabei nichts weiter. Ich achtete dummerweise nicht mehr auf das Taxameter, das er nicht eingeschaltet hatte, wie ich nachher mit Schrecken erfahren musste. An der Uni angekommen, wollte der gute Mann dann plötzlich 44 Kuai haben und meinte er hätte si si (vier vier, was aber auch nicht 44 heißt!) gesagt. Gut, dass ich Kleingeld hatte. Der Typ hat dann 15 Kuai bekommen, ich bin ausgestiegen und der Typ musste fluchend abhauen...er parkte dummerweise auch noch vor einer Ausfahrt und musste zügig weiterfahren. Arschloch!

Morgen Abend mache ich mich dann wieder auf den Weg nach Deutschland.

Die Reise nach Fernost geht ihrem Ende entgegen!


EXPO:
Blick vom Balkon des Appartements auf den chinesischen Pavillon
Das Highlight des deutschen Pavillons. Eine Kugel, die im Raum schwingt und dank zig LEDs beliebige Motive darstellen kann. Die Bewegung und Motive der Kugel lassen sich dazu durch Schall steuern - lautes Klatschen zum Beispiel!
im dt. Pavillon wird ganz bewusst mit Klischees gespielt. Ein Schrebergarten mit Taubenzucht als Animation mit Tönen
der deutsche Pavillon


Shanghai:
Es gibt auch wirklich alte Hotels
In Shanghai hat wirklich die Möglichkeit richtig lecker und europäisch, österreichisch Kuchen zu mampfen

Das wohl meist fotografierte Motiv der Stadt - Blick auf Pudong


Suzhou:

Donnerstag, 26. August 2010

das war es nun fast

Heute war mein letzter Tag in Foshan. Ich habe mein Zimmer aufgeräumt, meine Sachen gepackt und mich schon ein kleines bisschen auf Shanghai gefreut. Beim Mittagessen wurde mir dann mitgeteilt, dass heute Abend eine kleine Abschiedsfete geplant sei. Die beiden Chinesischstudentinnen haben also gekocht. Nach einem längeren und wirklich leckeren Abendessen saß ich dann noch mit einem der deutschen Praktis und den beiden Chinesinnen im Esszimmer und haben gequatscht. Dabei haben wir ein bissel Bier getrunken und eine Flasche chinesischen Schnaps getrunken. Obwohl der Schnaps nicht wirklich stark war, 15%, war eine der beiden Chinesinnen ziemlich fix voll! Es ist immer wieder witzig zu sehen, wie unbedarft die Chinesen mit Alkohol umgehen :) Sowas haben wir alle mit 14,15 oder 16 hinter uns gebracht! Nach einiger Zeit auf der Toilette erholte sie sich aber schnell wieder. Am Ende des Abends ging es ihr wieder gut ;)

Dazu haben ich heute meine Papiere, Zeugnisse usw. bekommen… kurz um… mein Praktikum ist offiziell abgeschlossen!

Morgen geht es also ab nach Shanghai… ich bin gespannt, was mich dort erwartet!

Dienstag, 24. August 2010

und weil es so schön war...

ging es am vergangenen Wochenende noch einmal nach Hongkong. Der primäre Grund war allerdings, dass mein Visum 1,5 Wochen zu früh ausläuft. Daher MUSSTE ich leider nochmal nach Hongkong und dort ein neues Visum beantragen. Ich hatte mich bereits über das Internet über Agenturen und Angebote schlau gemacht und wusste daher was auf mich zu kommen würde. Im Hotel wollten Sie mir noch den doppelten Preis abnehmen. Die Agentur lag, dank guter Planung und etwas Glück, nur etwas mehr als 5min vom Hotel entfernt. Beantragung und Abholung am nächsten Tag waren kein Problem ;)


mein riesiges Zimmer


Im Anschluss an den anstrengenden Teil blieben mir noch fast drei Tage in Hongkong. Donnerstag und Freitag bin ich relativ ziellos durch die Gegend gelaufen, habe verschiedene Straßen abgeklappert, die auf der Karte eingezeichnet oder hervorgehoben sind. Hat wirklich Spaß gemacht! Komisch war nur, dass mich plötzlich niemand mehr angestarrt hat. Keiner ruft "hello" hinter einem her… ungewohnt! In Hk ist ein Weißer eben nichts besonderes mehr :)

Im Hostel haben ich noch einen weiteren Deutschen kennengelernt, der für einige Tage in Hk verweilte, eigentlich aber in Thailand Urlaub machte. Abends sind wir dann auf Empfehlung seines Reiseführers in das berüchtigte Chunking Mansion zum Inder Essen gegangen. Wer wissen möchte, wieso das Gebäude so berüchtigt ist, kann ja mal auf hostelworld.com nach günstigen Hostels in Kowloon Hongkong suchen und dort auf die Besucherbewertungen achten! Das Gebäude ist praktisch Little India in Hong Kong, in einem Gebäude! Die meisten Passagen im Zentrum von Kowloon glitzern, sind sauber, hell beleuchtet und echte Aushängeschilder für Hongkong. Nicht so Chunking Mansion. Es ist dreckig, heruntergekommen, vollgestopft mit Indern und zig kleinen Schrottläden für allen Scheiß. Um zu den Hostels oder Restaurants zu kommen, muss aber an all den netten Herren vorbei, die einem die besten Angebote vom maßgeschneiderten Anzug bis zur Batterie andrehen wollen. Immerhin konnten uns die netten Herren zeigen zu welchem Aufzug wir mussten. Ohne Hilfe hätten wir den sicher nicht gefunden - wie auch bei schummriger Beleuchtung und wenig Schildern. Nun gut…also am Aufzug angestellt, brav hinter die Absperrung und rauf in den 3. Stock. Ziemlich unscheinbar liegt dann das Restaurant dort versteckt. Nach kurzem Warten bekamen wir einen Tisch und fix auch wirklich leckeres Essen zu genialen Preisen. Was macht man nach dem Essen? Genau, man verlässt das Lokal bzw. das Gebäude. Draußen auf dem Flur stand schon eine Menschentraube vor dem Aufzug und wartete. Ich wusste bereits aus den Hostelbewertungen, dass der Aufzug ewig braucht und viel zu klein ist… 30sek später tauchte auch schon ein Kellner auf und fragte uns, ob wir nicht auch die Treppen nehmen könnten. Konnten wir natürlich ;) Aber das Treppenhaus war der nächste Knaller! Ich habe außerhalb von mittelalterlichen Burgen nicht mehr so viele dunkle und kaum einsehbare Kämmerchen und Ecken gesehen, wie in diesem baufällig aussehenden Treppenhaus. Ich kann gut verstehen, wieso insbesondere Frauen sich unwohl in dem Gebäude gefühlt haben. Nach einem kurzen Kampf durch die netten "Produktberater" im Erdgeschoss spuckte uns Little India wieder aus. Manchmal ist eben auch ein Gebäudebesuch ein Abenteuer!


Wer mehr wissen möchte oder Fotos sucht:
http://gohongkong.about.com/od/whattoseeinhk/ss/Chunkingtour.htm
http://www.michaelconnelly.com/Photo_Gallery/Photo_Gallery/photo_gallery_6.html



Am nächsten Tag hatte ich geplant der Großstadt, dem Lärm und all der bösen Technik zu entfliehen. Ich wollte eine der Inseln besuchen - Lamma Island. Die Insel ist wirklich ein Traum. Es gibt keine Straßen, lediglich Wege für Kleinstfahrzeuge und Fahrräder oder eben Fußgänger. Die Insel ist enorm grün und dementsprechend ruhig. Ein traumhafter Tag im Grünen, am Strand (inkl. einer kleinen Bierpause) mit einer kleinen Wanderung quer über die Insel rundeten den Ausflug ab. 20 min vom Zentrum Hongkongs entfernt diese Idylle zu erleben, die so einfach zu erreichen ist, ist schon nett!


Ankunft auf der Insel
das erste Dorf mit der typischen Straßenbreite
eine der vielen schönen Buchten
ein paar Häuser mitten auf der Insel im Wald
ein Wanderweg durch den tropischen Wald (breiter werden die Wege auf der Insel wirklich nicht
Strand
noch mehr Strand
der weit weniger schöne zweite Ort der Insel


Am Sonntag bin dann wieder heim gefahren. Zuvor musste noch ein deftiges Mittagsmahl im Irish Pub überstanden werden…wie ihr euch denken könnt, fiel auch diese Hürde ohne größere Schwierigkeiten. An der Grenze ging dann mal ausnahmsweise alles ganz fix. Auf der hongkonger Seite ging es wie gewohnt flüssig von statten. Auf der chinesischen Seite gab es aber eine Überraschung. Im Kanal für Ausländer stand exakt eine Person vor mir. Besser geht es wirklich nicht!

Es war also erneut ein tolles Wochenende in Hongkong. Heute habe ich meinen Praktikumsbericht geschrieben und eingereicht. Mal sehen, ob da noch was zurückkommt. Sonst bereite ich mich nun auf den letzten großen Streich meines Chinaausflugs vor: Shanghai.

Bis in wenigen Tagen!!!



endlich wieder richtiges Frühstück samt leckerem Chocolate Chips Muffin
noch ein leckeres Frühstück - samt der einzigen engl. Zeitung, die rumlag
ich frage mich jeder Mal, wie lange ein Mitarbeiter des deutschen Gesundheitsamts ohne Herzkasper überleben würde :)
Wo hat man das schon einmal gesehen? Schlange stehen, um in ein Geschäft eingelassen zu werden

Mittwoch, 18. August 2010

Das Ende naht

In den letzten Tagen gab es wirklich mal wieder was interessantes zu tun. Nach unserer Reise nach Yunfu durfte ich meine Eindrücke zusammenfassen und auf mögliche Probleme hinweisen. Dabei habe ich mir schon extrem viel Mühe gegeben und wirklich versucht nicht zu kritisch zu werden. Mein Chef fand es trotzdem zu direkt und hat es in "chinesischen Stil" übertragen. Ich kann zwar leider nicht sagen, wie viel meiner Arbeit dann in Yunfu angekommen ist, aber die Rückmeldung lautete wohl, dass Ihnen vieles neu sei und Ihnen vieles gar nicht so wichtig erschienen sei. Mein Lieblingsbeispiel sind verschiedene Webseiten, die sich mit der Stadt, Wirtschaftsförderung und dem Industriepark beschäftigen und Werbung darstellen sollen. Da sie alle den Behörden unterstehen, wäre es auch sinnvoll, wenn die Inhalte zusammenpassen würden und auch wirklich alle offiziellen Informationsangebote ein gewisse Reife erreichen würden - für einige Menschen ist sowas noch nicht selbstverständlich!

Eine weitere Dienstreise der letzten Tage führte mich nach Zhongshan. Dort soll ein Technologiezentrum eingerichtet werden. Derzeit werden daher Informationen zusammengetragen, die schlussendlich in einer Werbebroschüre zusammengefasst werden sollen. Da die Zielgruppe vor allem deutsche Unternehmen umfasst, habe ich also angefangen, die Daten zu sichten und in einer groben Form zusammenzustellen. Die Krönung meiner Arbeit folgte dann aber noch ;) Mein Chef hatte die gute Idee, dass auch eine Webseite für das Zentrum nötig sei. Ich solle doch mal einen Prototyp entwickeln. Die meisten von euch wissen, wie tief ich in der Materie Webdesign drinstecke… naja dank netter Vorlage (kostenfrei, ohne Lizenzen) und tief vergrabener Kenntnisse in HTML, CSS, Javascript und meinem Lieblingsthema Grafikbearbeitung hatte ich nach etwa 3-4 Stunde ein zeigbares Ergebnis (2 Seiten^^). Mehr als ein Prototyp ist es meiner Meinung nach nicht… aber im Vergleich zu den anderen Designs, die ich sonst so gesehen habe, war die Freude meines Chefs nicht mehr ganz so überraschend ;)

Ich möchte die Chance noch nutzen, um euch einen Eindruck der Kantine in der Firma zu vermitteln. Alles was man nicht isst, legt oder spuckt man auf den Tisch. So (meist noch etwas wüster, insbesondere, wenn es viele Knochenteile oder Knorpel im Essen gibt) sieht es also nach dem Essen in der Kantine aus.


So, meine Arbeit ist praktisch abgeschlossen. Morgen begebe ich mich nach Hong Kong. Hoffentlich kann mich Hk nochmal so begeistern, wie das letzte Mal!

Donnerstag, 12. August 2010

Was bisher geschah...

… letzte Woche war wie bereits berichtet nur mäßig spannend. Interessant wurde es am Donnerstag. Dr. Gan nahm zwei Praktis aus Neuss und mich mit nach Zhongshan. Dort wurde in Kooperation mit der Firma hier ein erfolgreicher Industriepark aufgebaut, der nun um ein Technologiezentrum erweitert werden soll. Am liebsten wäre es Ihnen, wenn sie das Konzept der German Center, wie in Shanghai oder Peking, übernehmen könnten. Das Spannende an dem Ausflug war aber weniger das Konzept ;)

Da wir drei Deutschen angemeldet waren, hatten sich die Bosse drauf geeinigt, dass wir eine Führung durch den Industriepark bekommen würden. Diesmal kam keine Planänderung dazwischen und der Führung stand nichts im Wege. Wir wurden also dem Business Investment Office - Vice-Manager (das steht so auf der Visitenkarte) vorgestellt, der uns durch den Park begleiten sollte. Nach zwei Sätzen war auch schnell klar, dass unsere Gespräche wohl nicht ausarten würden. Der gute Mann sprach leider noch weniger Englisch als ich Chinesisch (und das ist schon schwierig). Wir fuhren also durch den Park und er versucht mir auf Chinesisch zu erklären, was das alles so sein könnte. Meine grandiosen Sprachfertigkeiten reichten dann meist dazu, um zu verstehen, worüber er sprach, nur leider nicht, was er mitteilen wollte.
Beispiel: Auf der Seite seht ihr… Hier ist das… Dahinter ist… Links liegt das… Diese 3 Gebäude sind…

Einige Gebäude sowie ein Park waren tatsächlich ganz nett anzusehen. Zurück im Büro haben wir uns dann erstmal an seinen Rechner begeben und mit Hilfe des yahoo-Übersetzers, die wichtigsten Infos in eine richtige Sprache übertragen. Ich frage mich immer noch, wie sie Firmen aus dem Ausland anlocken können/wollen. Ständig einen Dolmetscher auf den Füssen stehen zu haben, ist keine Freude. Eine Präsentation mit Dolmetscher ist es übrigens auch nicht - weder für Zuhörer noch für den Sprecher!

Das Essen zum Abschluss war immerhin wieder ein großer Genuss mit ein paar Bier und leckerem Fleisch, Fisch, Gemüse…kurz allem was man in China so erwarten kann.

Gestern wurde es dann kurios! Nach dem Mittagessen ist Schlafenszeit. Die Lichter in den Büros gehen bis 13:30h aus und jeder macht es sich an seinem Schreibtisch bzw. auf dem Sofa, wenn er eins hat, gemütlich. Da meine Klimaanlage bis heute kaputt war, war mein Schlaf dementsprechend dürftig und ich hundemüde. Als ich pünktlich um 13:28h (ich hab den Rhythmus sehr schnell verinnerlicht ^^) aufwachte, lag ein Zettel auf meinem Tisch. Der Chef habe mit den chinesisch Lehrerinnen der andern Praktis gesprochen, ich solle um 15:30h mit Ihnen nach Hause fahren.
Danke für die Info und natürlich danke dafür, dass ich während der Überbringung nicht geweckt wurde ;). Da ich aber jegliche nutzlose Arbeit bereits erledigt hatte, hatte ich keinen Bock mehr zu warten und bin bereits um 14h auf eigene Faust losgezogen. Nach einer ausgiebigen Pause bei Starbucks und dem Studium der chinesischen Presse (in Shanghai werden alle Gebäude, die vor 1999 gebaut wurden innerhalb der nächsten 20 Jahre abgerissen!) war ich um kurz nach 4 wieder zu Hause. 20min später klingelte das Handy…ich solle mich fertig machen…Abendessen auswärts… wir wurden von den Eltern eines der Teilnehmer am Austausch mit der FH Aachen eingeladen. Also wieder was Leckeres vor die Stäbchen. Mein Zeitmanagement war grandios. Wäre ich tatsächlich bis halb 4 in der Firma geblieben und hätte ich brav meine Zeit abgesessen, wie es die Chinesen meist tun, hätte ich mich reichlich beeilen müssen. Das Essen brachte auch wieder was spannendes: meine dritte Schlangenvariante und Gemüse mit Schlangenhaut. Das Zeug wird zwar nicht auf die Liste meiner Leibgerichte gesetzt, aber als Abwechslung zwischendurch darf man es ruhig mal auf den Tisch stellen.

Heute sind wir dann nach Yunfu gefahren. Eine kleine (3 Mio. Menschen) unterentwickelte Stadt, 130km entfernt. Reisezeit über die wirklich gute Autobahn: 2:30 Std, ohne Stau oder Unfall! Der erste Eindruck war wenig überraschend. Was Chinesen unter einem Zentrum verstehen habe ich ja bereits am Beispiel der Möbel- und IT-Zentren beschrieben. In Yunfu gibt es dementsprechend mehr als 1000 (ich meine wirklich tausend) Steinhändler entlang einer langen Straßen. Die Geschäfte dort bedienen den gesamten chinesischen Markt und versuchen sich ebenso am Export ihrer Waren. Als Zentrum rangiert Yunfu an Position 3 in China. (Ohne Planwirtschaft würde es solche "Zentren" wahrscheinlich nie und nimmer geben!)
Wir sind dann zum "Investment Promotion Service Center" der Stadt gefahren. Das Gebäude und die Räumlichkeiten sind richtig abgewrackt! Im letzten Raum, der mit 2 Sofas, 3 Teekannen und eine Klimaanlage eher einem Verließ glich, fanden wir unsere Gesprächspartner. Mein Tipp: Dieses Gebäude ist für jeden Investor tabu! Die Überraschung des Tages: Ein Vertreter der Büros sprach brauchbar Englisch. So konnten Jens und ich unsere Aufgabe erfüllen und ein paar halbwegs kritische Fragen über den Industriepark stellen. Das winzige Projekt, ~300 Mio €, will nicht viel mehr erreichen als eine neue Stadt neben der alten Stadt hochzuziehen. 2 Häfen, 1 Bahnlinie, 2 Autobahnen, Stadtzentrum, Wohnanlagen, 1 CBD und natürlich der Industriepark selbst. An sich sind wieder alle scharf auf ausländische Investoren. Dummerweise haben bisher nur chinesische Firmen unterschrieben… Nach einem Blick auf den Plan und einige hübsche Bildchen ging es dann auf Tour durch die Baustellen des Parks. Im Anschluss…oh Wunder…na, wer errät es…na, kommt schon…genau: Mittagessen! Hinter dem Rathaus, eines der ganzen wenigen in China ohne hohe Mauern und Soldaten am Tor, liegt ein netter Park mit Gästehäusern für Gäste der Behörden und Restaurants für Veranstaltungen mit und von den Behörden. Nach einem leckeren "Schmeiß -Rein" haben wir uns wieder auf die Heimreise gemacht…

Morgen geht es wieder ins Büro…drückt mir die Daumen!


das besagte Rathaus
Warum können unsere modernen High-Tech LKWs eigentlich so wenige Fahrzeuge transportieren?

Donnerstag, 5. August 2010

Die neue Abteilung

Seit letzter Woche sollte ich an sich in eine andere Abteilung kommen. Leider hat die nette Sekretärin zwei Tage "vergessen" sich zu melden. Nachher klang es für mich eher danach, dass sie sich nicht sicher war, was sie mit mir anfangen sollte. Nun ja...am dritten Tag landete ich dann also doch hier. Ein Telefongespräch auf höherer Ebene war überzeugender ;)
Ich kam also morgens ins Büro. Dort wurde mir ein Tisch frei geräumt und ich habe meinen PC aus einem anderen Büro rüber geholt. Traumhaft dachte ich, jetzt kann es mit Verspätung also losgehen.
Nach dem Studium der Produktbroschüren war ein Meeting mit dem Abteilungsleiter und der Sekretärin angesetzt. Das überraschende Thema: Was ich denn machen will!? Nicht das im Hintergrund bereits mehrere Gespräche zu dem Thema gelaufen wären...aber Planlosigkeit herrschte und herrscht trotzdem. Inzwischen sitze ich den dritten Tag ziemlich tatenlos herum und studiere die internationale Presse. Ein interessanter Auszug befindet sich am Ende dieses Beitrags.
An sich ist mir heute Vormittag zugesichert worden, dass ich nach der Mittagspause mit Arbeit versorgt werde...die Spannung steigt...noch ist Arbeit aber nicht in Sicht (Stand: 14:15h)!
Bei soviel Arbeit freue ich mich dafür umso mehr auf die nächsten Reisen. In 2,5 Wochen geht es nochmal für 4 Tage nach Hong Kong und kurz darauf eine Woche nach Shanghai.
 
Habe ich eigentlich bereits durchblicken lassen, dass mir diese Planlosigkeit und Unorganisiertheit der Chinesen langsam tierisch auf den Senkel geht!? Langsam sind meine reichen Vorräte an interkultureller Kompetenz, Offenheit und Toleranz aufgebraucht...
 
Ich habe ja hin und wieder durchblicken lassen, dass in China Statistiken als Ausdruck von Kreativität verstanden werden. Nach und nach wird zumindest in den englischen Ausgaben der chinesischen Nachrichten ebenfalls darüber berichtet.
(Ob diese Nachricht in der chinesischen Version so oder ähnlich existiert weiß ich nicht. Viele Kommentare weisen jedoch darauf hin, dass die übersetzten Versionen keineswegs mit den chinesischen Ausgaben übereinstimmen müssen.)
 
 
BEIJING - The total sum of China's regional GDP figures in the first half of this year was about 1.5 trillion yuan ($220 billion) more than the national figure released by the National Bureau of Statistics (NBS), a strong indication that there is false reporting by regional governments, according to analysts, officials and media reports.
(...)
Experts believe local government officials have long been deliberately inflating their own GDP figures in an effort to prove their strong stewardship of their economies.
Liu Yuanchun, a senior economist at the school of economics at Renmin University of China, said this phenomenon has been the inevitable result of a current political assessment mechanism - one which still depends greatly on local GDP performance to judge officials' ability.
In addition, reliable numbers can be acquired only if local statistical departments are totally independent, he said.
"If the statistical departments are under the management of local city or provincial government, how to guarantee the statistics are objective?" he said.
Quelle:  
http://www.chinadaily.com.cn/china/2010-08/02/content_11078522.htm

Nachtrag:
Am fünften Tag habe ich nach langer Diskussion endlich Arbeit bekommen. Die Arbeit stammt zwar nicht aus der Abteilung in der ich sitze, sondern von meinem eigentlichen Chef. Verlassen kann ich die neue Abteilung aber auch nicht, da dies zu einem Gesichtsverlust meiner eigentlichen Betreuerin führen würde. Da ihre Leistung wiederholt nicht berauschend war, möchte mein Chef dies vermeiden. Interessant ist, dass in dieser Variante alle glücklich sind, nur ich dumm rumsitze, keiner Gespräche führt, die er nicht führen will und Kritik einfach ausgesessen werden kann. Auch ne gute Variante mit (Miss-)Leistung umzugehen. Wie dem auch sei, ich sitze also in der neuen Abteilung und mache weiter eine ähnliche Arbeit wie zuvor. Der Unterschied besteht darin, dass ich um einige Facetten der chinesischen Arbeitsmentalität reicher bin!

Dienstag, 27. Juli 2010

Mal was Neues...

Heute morgen war eigentlich ein Treffen in der Firma geplant. Nachdem ich irgendwann keine Lust mehr hatte zu warten, hing ich dann am Telefon. Und siehe da, genau, das Treffen fiel kurzfristig aus. Da kurzfristig nichts weiter anlag, habe ich mich in den Bus gesetzt und bin quer durch die Stadt zu Starbucks (der einzige in Foshan!) gefahren. Schon praktisch, dass der Bus in der Nähe der Firma auch direkt zu Starbucks fährt ;).

Während ich dort meinen Kaffee schlürfte, kam einer der Angestellten und fragte mich, ob ich Student an der Uni sei. Er erinnere sich an meine Haare. Ich wäre doch öfter in der Mensa gewesen… so klein ist die Welt. Blonde Haare reichen aus, um überall in der Stadt wiedererkannt zu werden. Bei nur 7 Mio Einwohner ist das ja auch nur zu verständlich^^

Um halb 5 kam dann plötzlich mein Chef zu mir und meinte, dass wir in 30min losfahren - Meeting. Also fix wieder umziehen und ab in ein Restaurant zum Meeting. Das Meeting diente der Vorbereitung einer Dienstreise nach Yunfu, einer unterentwickelten Stadt in der Umgebung. Wenn/Falls die Bestätigung am Donnerstag kommt, fahren wir Fr und Sa rüber und schauen uns die Örtlichkeiten an.
Das Essen hatte aber immerhin mal wieder was Neues zu bieten. Meine erste Schildkrötensuppe! Jede Suppe umfasste je eine etwa faustgroße Schildkröte, etwas Gemüse und Geflügelfleisch. Die Schildkröte war nicht so besonders, viele Knorpel und wenig Fleisch. Nun ja… ich habe ja gesagt, dass ich alles mal probieren werde!


von da, über einen kurzen Umweg durch die Küche, in meine Suppe!

Samstag, 24. Juli 2010

Noch mehr Deutsche

Am vergangenen Wochenende sind 5 Praktikanten (18-19 Jahre alt) aus Neuss eingetroffen. Der Kreis oder die Stadt finanziert einen Großteil ihres zweimonatigen Aufenthalts. Die ersten Tage waren recht hart für die Jungs. Die Unterkunft, ein Hotel in der Nähe des Campus, entsprach nicht ganz ihren Erwartungen. Der Ausblick auf eine Baustelle und Mehrbettzimmer, die zum Teil nochmal gereinigt werden mussten, kamen wohl etwas unerwartet. Inzwischen haben sie sich aber besser eingelebt. Das Essen mit Stäbchen klappt inzwischen, das Essen (wir haben seit 1,5 Wochen eine Köchin!) schmeckt ihnen und die ersten Ausflüge konnten ebenso überzeugen. Ich bin mal gespannt, wie sich ihre Begeisterung weiter entwickelt. Die nächste größere Baustelle dürfte das Überwinden der 24-stündigen Bemutterung durch die betreuenden Studenten sein. Sie studieren Chinesisch auf Lehramt und unterrichten die Praktis. Zusätzlich begleiten sie sie bei Touren durch die Stadt und zu anderen Sehenswürdigkeiten. Obwohl heute Sonntag ist, kreuzten die beiden eben nach dem Mittagessen hier auf. Dr. Gan hatte ihnen den Auftrag gegeben irgendwas zu besuchen - ein Kloster oder so. Leider wusste die Gruppe der Praktis nichts davon, die diese Überraschungen nicht sonderlich schätzen.

Da die deutsche Horde bei uns im Appartement isst, wandern sie entsprechend häufig über den Campus. Nach nur 2 Tagen fragten mich meine chinesischen Bekannte irritiert, ob ich wisse, wo die Europäer alle herkämen und was sie hier wollen. Es spricht sich eben schnell rum, wenn Ausländer auftauchen…

Für mich war die Woche dann ziemlich langweilig. Wir haben für die Betreuung der Praktis ein Büro eingerichtet bzw. die Einrichtung überprüft. In diesem Büro werden die Praktis Chinesisch lernen. Im Anschluss wird das Büro dann für ein Projekt zum Aufbau eines Technologieparks in einer nahegelegenen Stadt genutzt. Von derartigen Projekten ist immer mal wieder die Rede… praktisch habe ich noch keins gesehen, in dem mehr als warme Worte ausgetauscht wurden. Diesmal soll aber ein konkreter Auftrag vorliegen und auch bereits Personal aus den anderen Abteilungen für das Projekt umgeplant worden sein. Leider werde ich nicht mehr erleben, ob diesmal alles anders sein wird. In 40 Tagen bin ich schließlich wieder zurück.
Sonst gab es ein paar Meetings und viel Leerlauf. An sich war geplant, dass ich ab Mittwoch in eine andere Abteilung komme. Dummerweise blieb der finale Anruf aus. Donnerstag rührte sich dann auch nichts… Meine Chefs könnten auch nur mit den Schultern zucken und sagen, dass könne in China eben passieren - das sei typisch!

Wirklich erfreulich ist, dass meine Brieffreundschaft mit emirates nun beendet ist. Mein Flug konnte umgebucht werden und die entsprechenden Kosten sind geringer als zwischenzeitlich vermutet. Dazu ist auch geklärt, dass ich in Shanghai für eine Woche unterkomme und höchstwahrscheinlich (hier meine ich die deutsche Bedeutung des Begriffs) eine persönliche Führung über die Expo bekomme inkl. der Möglichkeit die stundenlange Wartezeit vor den Pavillons zu verkürzen.
Die letzten 6 Wochen könnten also, zumindest zum Teil, noch recht spannend werden.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Servicewüste China

IT Techniker
Leider fällt bei uns ständig das Internet aus. Nach mehreren Wochen und einigen Ausfällen kam nun ein Techniker. Der Gute sah aus der Entfernung, dass der Grund für die Ausfälle der Router sei, der bei Schwankungen im Stromnetz durcheinanderkäme. Da in der Nähe ein alter Wlan Router rumlag, schlug er vor diesen stattdessen einzusetzen. Während der Konfiguration sah ich dann, dass er eine veraltete Verschlüsselung, die als unsicher gilt, auswählte (WEP). Auf meinen Vorschlag WPA oder WPA2 zu nehmen, klickte er etwas in der Konfigurationsmaske rum, verstand aber wohl nicht recht was das so alles bedeutet. Am Ende stellte er doch wieder WEP ein :( . Auf meine Frage wieso er das tue, antwortete er, dass WEP die Standardeinstellung sei und sie deshalb benutzt werden sollte.(Meine Fragen und die Antworten wurden immer übersetzt.)

So ein Unsinn! Leider ist die Konfiguration nur auf Chinesisch zu machen, so dass ich es nicht selbst machen kann.

Emirates Guangzhou
Derzeit versuche ich meinen Flug umzubuchen. Meine erste Anlaufstelle war das Reisebüro in Deutschland. Die haben mit Thomas Cook gesprochen und sind sich einig, dass sie nichts machen können. Ich sollte mich direkt an emirates wenden. Emirates Deutschland hat mir bestätigt, dass ich umbuchen könne, dafür aber emirates in Guangzhou kontaktieren solle. Stand heute nach 6 Mails an emirates Guangzhou und 5 Antworten: es ist wieder jemand anders zuständig. Außerdem ist plötzlich von zusätzlichen Gebühren die Rede.

Diese Konversation ist erneut ein Beispiel für die chinesische Arbeitsweise. Eine Frage, die nicht ausdrücklich gestellt wird, wird auch nicht beantwortet.

Good morning
 
We are sorry to inform you for the following reservation,  there is no K class available on 4sep and 5sep. 
(das ist die komplette Mail!)

Ich hätte irgendwie damit gerechnet, dass sie mir mögliche Ausweichtermine vorschlagen und entsprechende Extrakosten direkt mitgeteilt werden. Naja, solche exotischen Wünsche kann auch nur ein verrückter Deutscher haben.

Ich bin gespannt, wie lange diese Brieffreundschaft noch hält ;)

Update: Meine letzte Mail wurde inzwischen nach Deutschland weitergeleitet :)

Prüfungen und Trip nach Guangzhou

Nach der Werbung für das Programm mit der FH Aachen kamen nun zwei Profs der FH Aachen und der FH Bielefeld zu Besuch, um die Einschreibungstests abzunehmen. Sie ersetzen alle anderen Einschreibekriterien, wie z.B. den gaokao.
In der Woche vor dem Test hatte ich die Ehre mit einem Teil der Schüler ihr mündliches Englisch zu verbessern. Den meisten fehlt es einfach an Übung, die Hürde zu sprechen ist noch zu groß (das wäre bei deutschen Absolventen jedoch vergleichbar, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt). Als Vorbereitung auf die mündliche Prüfung (5-10min Dialog mit einem Prüfer) versuchte ich mit den Schülern über ihre Motivation zu sprechen. Einfache Fragen, wie "Warum möchtest du in Deutschland studieren? Warum in Deutschland und nicht in England, Kanada oder den USA? Warum möchtest du das Fach x studieren…" blieben häufig ohne Antwort. Die Schüler haben sich diese Frage nie gestellt und hatten keine Ahnung, was sie mit der Frage anfangen sollten. Stattdessen antwortete die fitteste der Teilnehmerinnen mit einer Gegenfrage bezüglich meiner Motivation nach China zu kommen. Erst meine Antwort führte dazu, dass die Schüler verstanden, welches Ziel diese doofe Frage nach der Motivation hat. Meine Chefs erzählen mir in solchen Situationen gern, wie wenig Zeit die Schüler hätten und dass neben dem Schulalltag keine Zeit bleibe, um sich Gedanken um seine Zukunft oder persönliche Ziele zu machen. Weiterhin seien die Schüler kaum in der Lage solche Entscheidungen zu treffen - ein wirklich armseliges Bildungssystem!
Das gilt vor allem, wenn man den Tagesablauf der Schüler betrachtet. Die meisten Schulen sind Internatsschulen. Die Schule, in der wir häufig aufkreuzen, weckt die Schüler um 6. Um 7 beginnt eine halbe Stunde "reading" in der die Schüler englische Texte lesen sollen. Danach beginnt bis 11 der Unterricht. Von 11 bis 14h ist dann Mittagspause und Mittagsschlaf vorgeschrieben. Danach ist wieder bis 17h Unterricht. Im Anschluss folgen Abendessen und Hausaufgaben bis 22:15h. Das ganze findet Mo-Fr statt. Samstag endet der Unterricht gegen Mittag. Dann geht es nach Hause, bis Sonntag Nachmittag. Gegen Abend müssen die Schüler wieder zurück sein. Es kann allerdings passieren, dass auch Sonntags plötzlich eine Klausur geschrieben wird (war letzte Woche der Fall!).
Es ist erschreckend zu sehen, wie viel Zeit die Schüler in der Schule verbringen und wie wenig dabei rauskommt.
Das wirklich interessante ist, dass die gaokao-Prüfungsaufgaben z.B. in Mathe das Niveau in Deutschland (wahrscheinlich auch LK-Niveau) überschreiten. Selbst die Profs fanden die Aufgaben in Physik (E-Technik Prof) happig. Leider können viele Schüler die relativ leichten Matheaufgaben des deutschen Tests kaum lösen. Abzüglich der Probleme, die englische Aufgabenstellung (darauf wurden sie vorbereitet!) und eine fremde Art der Aufgabenstellung zu verstehen, bleibt es dennoch bemerkenswert. Ein Blick in chinesische Buchhandlungen erklärt wiederum sehr eindrucksvoll, was Sache ist. Die größte und bestbesuchte Abteilung in den meisten Buchhandlungen ist die Schulbuchabteilung. Hier gibt es Übungsbücher und Sammlungen ehemaliger gaokao-Prüfungen, die man dann fleißig pauken kann. Fleißig verstehen ist aber was anderes ;)

Der Besuch der Profs hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte wieder etwas niveauvollere Gespräche auf Deutsch führen. Leider ist das trotz 10-jährigem Deutschlandaufenthalts meines Chefs mit ihm kaum möglich. Auch die Vertreterin aus Aachen, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, stellt ihr nur eine kleine Verbesserung dar.
Da die Profs, aus irgendwelchen Gründen, einen guten Eindruck von mir bekommen haben, haben sie mich eingeladen am Sonntag mit ihnen nach Guangzhou zu fahren und die Stadt zu erkunden.

Auf Grund der Asienspiele, die im Oktober in Guangzhou stattfinden, gleicht die Stadt einer einzigen Baustelle. Insbesondere Straßen werden erneuert (auch wenn sie angeblich erst 6 Monate alt sind!) und die Verkehrsführung beliebig verändert.
Tagsüber waren wir in einem Museum einer alten Grabkammer, Nachmittags kurz shoppen bis wir Abends eine Bootstour auf dem Perlfluss gemacht haben. Die Ufer und die Gebäude in der Nähe werden Abends hübsch beleuchtet. Der Höhepunkt ist der Fernsehturm am Ende der Strecke.


Montag, 5. Juli 2010

ich bin schon zu lange hier ;)

Die letzten Tage waren schon merkwürdig ;)

Wenn ich nach Hause gefahren werde, kann ich ortskundigen Leuten den kürzesten Weg erklären und im Restaurant lege ich die Gabel weg und bestelle mir Stäbchen!

Letzte Woche war nur eingeschränkt spannend. Wir haben Werbung für eine Kooperation mit der FH Aachen gemacht. Dazu saßen wir den ganzen lieben langen Tag in einer Schule rum und haben auf interessierte Eltern samt ihrem Nachwuchs gewartet. Leider war die Werbung für das Programm nicht so erfolgreich, wie erhofft, so dass viel Leerlauf herrschte. Für Samstag war dann das lokale Fernsehen eingeladen, die einige hübsche Bilder der Info-gespräche als auch ein oder zwei Interviews machen wollten. Auch nach dem Aufbau der Kamera hieß es noch, dass auch ich interviewt werden sollte. Naja in China ist der Plan nur so gut (wenn mal sowas existiert), wie die Planänderung. Genauso spontan, wie mein Interview mir gegenüber bekanntgemacht wurde, wurde es auch wieder gestrichen.

Sonntag wurde ich dann eingeladen einen wunderschönen Park zu besuchen. "Park" trifft es allerdings nicht wirklich. Der "Park" umfasst einen Wald, einen Country Club, mehrere 5*-Hotels und einen 27-Loch Golfplatz. Leider konnte ich dort nicht spielen :( Im Anschluss sind wir dann noch Shrimps fischen gegangen. Mal eine ganz neue Erfahrung!

Heute startete dann der einwöchige Vorbereitungskurs für die chinesischen Bewerber, bevor sie Samstag die Prüfung bestehen müssen. Eigentlich wurde mir gestern gesagt, dass ich Di einen Teil der Stunde "spoken english" dazu nutzen soll, um einen Vortrag über das Hochschulsystem in Deutschland zu halten und den Unterschied zwischen FH und Uni zu thematisieren. Das galt auch noch bis etwa 10h. Dann hieß es, dass ich den Block bereits um 11 einbringen soll. Mir ist wirklich ein Rätsel, ob ich hier einfach an Leute geraten bin, die zu den chaotischen Chinesen gehören oder ob so ein Quatsch normal ist. Meine sonstigen Erfahrungen lassen eher auf ersteres schließen...Morgen habe ich auch wieder einen Block...Thema weiß ich aber noch nicht. Es ist ja erst Mitternacht und der Block um 8:30h morgen früh - Flexibilität ist eben alles! Fragt ja nicht, ob eine Outline oder ein schriftlich einzusehendes Konzept für diese Stunden existiert. Wenn sowas existiert, dann irgendwo in einem Kopf.

Für alle AIESECer: Diese Woche kann ich als ET verbuchen.

Ich werde jetzt schlafen gehen und meine Finger mit Ideen vollpumpen, so dass ich mir morgen genügend Stoff aus den Finger saugen kann ;)

Mittwoch, 30. Juni 2010

Schulstress

Das Schulsystem in China ist bekanntlich etwas anders als unseres. Nach der High School nehmen alle Schüler am 高考 (gaokao) teil. Das ist ein standardisierter Test dessen Ergebnis darüber entscheidet, ob man eine Chance hat an einer der guten Unis aufgenommen zu werden. Welche enorme Bedeutung dieser Test hat, zeigt dieser Ausschnitt einer chinesischen Zeitung, die in englischer Sprache erscheint:

Over the weekend, local governments have issued temporary regulations to give students a helping hand.
 
In Beijing, for instance, normal traffic control measures have been suspended for all cars carrying students to the exam, according to the city's bureau of road traffic.  
To prevent noise, the city has banned night shifts at construction sites. Bus lines will also be rerouted around schools where the exams are due to be held. The city government has further called for promotional activities to be halted for businesses and recreational events during the exam period. 
Elsewhere, in Linchuan county of East China's Jiangxi province, all Internet cafes have been asked to close prior to the national exam to keep students focused on the job, rather than becoming distracted online. 
In almost all provinces, the police are monitoring the Internet, looking for scams offering to help students cheat on the exam either by selling the answers or with the aid of a technological device. If an emergency arises, traffic police are prepared to transport students to their exams.
 
Local police have also stepped up their inspection of identity cards after the education ministry called for a crackdown on impostors attempting to take the exam.


Der Test ist die einzige Chance auf eine erfolgreiche Zukunft. Die Qualität der chinesischen Unis ist sehr unterschiedlich und damit auch die Chance einen hoch dotierten Job zu bekommen. Nach Teilnahme an dem Test bewirbt man sich um ein Fach, kann jedoch nahezu beliebig umverteilt werden. Es gibt daher viele Studenten, die nicht das studieren, was sie eigentlich studieren wollen. Studienfächer, die keine oder nur eine geringe Bedeutung für die Wirtschaft und die Industrie haben, sind sehr selten. Genauso denken auch die meisten Chinesen. Ohne Rücksicht auf Verluste geht es darum Geld zu machen und erfolgreich zu sein. Ganz langsam entwickelt sich, mit steigendem Wohlstand, die Überzeugung, dass es mehr gibt als nur Geld und wirtschaftlichem Erfolg. Die Studenten reden immerhin untereinander offen darüber, dass sie eigentlich etwas ganz anderes machen wollen würden.

Nachdem die Ergebnisse des gaokao inzwischen veröffentlicht sind, bemühen sich die Studenten nun um ihre Studienplätze. Die Firma, in der ich bin, ist Kooperationspartner der FH Aachen und organisiert Aufnahmeprüfungen für das Freshman Program. Das Programm dauert ein Jahr und bereitet die Schüler auf ein Studium in Deutschland vor. Im Anschluss können die Teilnehmer an vielen FHs und Unis in NRW ein reguläres Studium aufnehmen. Wie ihr euch denken könnt, ist die Anerkennung eines chinesischen (High School-)Schulabschlusses und die direkte Aufnahme an eine deutsche Hochschule sehr schwierig bzw. meist unmöglich. Aus diesem Grund besitzen viele chinesische Studenten in Deutschland bereits einen chinesischen Hochschulabschluss.
Wir veranstalten derzeit einige Infoveranstaltungen bei denen ich häufig die Ehre habe mich mit den Absolventen zu unterhalten, während die Eltern sich um die "ernsten" Frage bezüglich des Programm kümmern. Es fällt immer wieder auf, dass meist die Väter entscheiden, dass erstens dieses Programm gut ist und zweitens was sie studieren sollen. Viele Eltern haben in den letzten Jahren einen gewissen Wohlstand erlangt und setzen nun alles daran ihren Kindern eine gute Ausbildung zu garantieren. Was die Kinder davon halten, ist meistens jedoch nebensächlich. Nächste Woche findet eine einwöchige Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung statt. Die Prüfung entscheidet dann allein über die Aufnahme in das 16 000€ teure Programm. Dies darf auch als Kritik am gaokao und der Aussagekraft der Ergebnisse gesehen werden. Die gaokao-Prüfung ist angeblich wenig fair oder transparent und gibt nur wenig Informationen darüber, ob der Student ein Studium erfolgreich absolvieren kann.

Einige der Bewerber haben übrigens verhältnismäßig schlechte Ergebnisse im gaokao. Ihre "letzte" Chance ist somit ein Studium im Ausland. In ihren Fällen entscheidet die Geldbörse der Eltern…
Das heißt allerdings nicht, dass nur die reichen und schwachen Schüler ins Ausland gehen ;) Inzwischen ist die Abwanderung junger Leute durchaus ein Thema in den Medien. In ziemlich subtilen Artikeln wird beschrieben, welche Probleme auf die Studenten im Ausland zukommt und welche Probleme sie haben werden, wenn sie nach China zurückkehren (viele versuchen jedoch im Ausland zu bleiben). Es wird dann beschrieben, dass die Sprachkenntnisse in ihrer Muttersprache nach vier fünf Jahren nachließe und insbesondere Schüler, die bereits eine High School im Ausland besucht haben praktisch sprach behindert sein: Was könne man schon mit jemandem anfangen, der Chinesisch auf dem Niveau eines 16-jährigen spreche.

Bildung ist ein riesen Thema hier. Wenn aber mal wieder jemand schreit, dass Deutschland zu wenig Hochschulabsolventen hat, lehnt euch freudig lächelnd zurück. Die Hochschulabsolventen haben größtenteils nicht viel drauf und gelten selbst in China zum Teil als nicht fähig einen qualifizierten Job anzunehmen. Vor ihnen brauchen wir uns nicht zu fürchten. Das Niveau wird in Zukunft steigen und die Bildungseinrichtungen wandeln sich extrem schnell. Davor wiederum sollten wir großen Respekt haben!

Sonntag, 20. Juni 2010

Streiks und Partynacht

Es werden noch weitere Berichte über Peking folgen, zwischendurch geht das Leben hier allerdings weiter.

Letzte Woche wurde das Wochenende kurzerhand verlegt. Samstag und Sonntag waren Arbeitstage. Dafür wurden Montag und Dienstag frei gemacht und zusammen mit dem Drachenbootfesttag am Mittwoch ergaben sich so drei Urlaubstage. Eine sehr angenehme Überraschung nach meiner Rückkehr aus Peking.

Derzeit ärgern sich einige ausländische Unternehmen mit einem, für China neuen Phänomen herum: Arbeitsstreiks. Die größten gab es bei Toyota und Honda. An sich sind Streiks hier verboten. Aus irgendwelchen Gründen ist es nun scheinbar an der Zeit trotz Verbots und der Möglichkeit des Einschreitens der Polizei (auf Wunsch des Firmenchefs sind Arbeiter von der Polizei schon zur Arbeit geprügelt worden) Arbeitskämpfe durchzuziehen. Die Medien spekulieren schon über das Ende des Niedriglohnlandes China. Viele Unternehmen wandern bereits jetzt in die umliegenden Länder ab um Lohnkosten zu senken. Kambodscha freut es^^ Da witzige an den Streiks ist, dass hier niemand Erfahrungen mit Streiks und ihrer Schlichtung hat. Auch die Behörden sind damit überfordert. Am Freitag waren wir zu Besuch im Arbeitsamt des Bezirks, der für Toyota zuständig ist. Da mein Chef der Leitung einige Tipps zur Position der Behörden in der Schlichtung gegeben hat, gingen wir nach zwei Stunden Gespräch lecker essen: im Intercontinental Hotel Foshan . Dort beginnt der rote Teppich bereits in der Tiefgarage, auf dem Tisch liegen Stäbchen UND Messer und Gabel. Es war mir eine große Freude nach 2,5 Monaten endlich wieder dieses merkwürdige Werkzeug zu benutzen ;) Das Buffet war super! Leider war ich satt bevor ich zum Fleischbuffet vorgedrungen war :( Fisch, Garnelen, Muscheln kalt, warm, überbacken… alles war bis zum Abwinken vorhanden.

Danach war dann endlich wieder Wochenende ;)

Samstag Abend bin ich dann das erste Mal wirklich feiern gegangen. Es ist nun nicht so, dass ich in China plötzlich eine Allergie gegen Partys bekomme hätte, aber es hat sich einfach nicht ergeben. Die chinesischen Studenten sind nicht gerade feierwütig! Es ging quer durch die Stadt in eine kleine Bar mit Carlsberg vom Fass und einer großen Leinwand. Zur Abwechslung sah ich mal mehr Ausländer als Chinesen. So konnte ich dann das Australienspiel mit Australiern gucken und halbwegs brauchbares Bier genießen. Die Australier hatten nur begrenzte Ahnung von den Fußballregeln. Dementsprechend war auch klar, dass die Aussis davon ausgingen, dass ich als Europäer die Regeln praktisch gefrühstückt habe. Bei fragwürdigen Entscheidungen musste ich also abschließend meine kompetente Meinung vorstellen ;)
Nach dem Spiel sind wir dann mit einem Taxi in eine Disco (Club…die Aussis haben mich ganz komisch angesehen als ich die Vokabel "Disco" verwendet habe. Discos waren gestern) gefahren. Der Taxifahrer hatte nur leider keine Ahnung wo es lang geht. Nach einen kleineren Umweg sind wir dann doch noch zum Fernsehturm der Stadt gekommen.
Der Club war ganz nett, ähnlich wie man es in Deutschland kennt. Selbst die chinesischen Songs waren erträglich. Das was den Abend aber erst richtig nett gemacht hat, war der Clubchef. Ein Haufen von 10-12 Ausländern fällt natürlich auf! Nach kurzer Zeit kam also der Chef und spendierte uns einen Eimer Bier (10-12 Flaschen). Seine Assistentin wirbelte ganz nervös durch die Gegend um uns das kühle Gold zu reichen. Kurze Zeit später kam die nette Frau erneut an und unterrichtete uns davon, dass der Chef uns einen besonderen Tisch in der Mitte angeboten hätte. Wir sollten ihr doch bitte folgen. Die etwas älteren Generationen haben das irgendwie geregelt, wir sind an unseren Tischen in der Nähe der Bar geblieben und haben noch einen Eimer Bier bekommen. So wurde es ein äußerst günstiger Abend ;)

Für die beiden chinesischen Studentinnen mit denen ich unterwegs war, war es der erste Besuch in einem Club! Insbesondere die Lautstärke gefiel ihnen aber überhaupt nicht ;) Mit 22 und 23 Jahren waren sie doch leicht überfordert… Am Ende war es aber ein netter Abend. Von dem Morgen wollen wir an dieser Stelle mal nicht sprechen...

Donnerstag, 17. Juni 2010

Beijing 北京



Die nächste große Reise führte uns nach Beijing (北京). Mein Chef brachte uns morgens noch zum Busbahnhof von dem wir dann planmäßig zum Flughafen nach Guangzhou (广州) aufgebrochen sind. Nach einem unkomplizierten und angenehmen Flug ging es mit dem Airport Express, einer Sonderlinie der U-Bahn in die Stadt. Wir hatten uns über google-Maps die nächstliegenden U-Bahnhaltestelle herausgesucht und hofften mit unseren Stadtplänen der Reiseführer dann zurecht zu kommen. In der U-Bahn selbst, findet man sich gut zu Recht. Die Pläne sind übersetzt und auch die Ansagen in der U-Bahn selbst sind zweisprachig. Schwierig wird es erst, wenn man die U-Bahnhaltestelle verlässt. Nachdem wir wieder zurück unter der heißen Sonne Pekings standen, suchten wir nach Anhaltspunkten - also Straßennamen. Leider konnten wir keine Straße in unseren Karten wiederfinden. Mit etwas Bauchgefühl und noch mehr Glück wählten wir zwar die richtige Straße, trauten unserer Schätzung wiederum nicht vollkommen. Da die letzte Mahlzeit bereits länger zurück lag und uns die Orientierung ziemlich verlassen hatte, zog es uns zu der einzigen Konstante, die es auf der ganzen Welt und nahezu jeder Stadt gibt - Mc Donalds! Während ich versucht 2 Big Mac Menus zu bestellen (leider selbst nach der Olympiade nur mit Zeigekarte möglich) fand meine Freundin am Nachbartisch einen Ausländer, der bestätigte, dass wir auf dem richtigen Weg waren und es nur noch wenige hundert Meter zu unserem Hotel seien. Nach dieser nun wirklich beruhigenden Info schmeckte der Burger gleich um ein vielfaches besser :-P

Das Hotel hatten wir über hostelworld.com gebucht und dementsprechend mit einem Hostel gerechnet. Tatsächlich war es ein Hotel, dass auch hostelähnliche Zimmer anbietet. Unser Doppelzimmer, für 15€ pro Nacht und Nase inkl. Western Breakfast war überraschend gut und überzeugte uns fast ohne Einschränkung. Den Kühlschrank/Minibar, den wir in Hong Kong noch so zu schätzen wussten, um Getränke zu kühlen und abzufüllen, fehlte leider :(
Das Hotel liegt in Sichtweite der verbotenen Stadt nur etwa 5min entfernt von der Wangfujing Straße, der Haupteinkaufsstraße Pekings. Zentraler geht es kaum noch^^

Unser erster Abend bestand demnach auch darin zu Fuß die Umgebung zu erkunden. Wir sind daher als erstes entlang der verbotenen Stadt in Richtung des Platzes des himmlischen Friedens ( 天安门 ) gelaufen. Der Platz wird leider durch 2 riesige Leinwände und das ebenso hässliche Grab Maos geteilt. Die Leinwände könnten aber auch dort stehen um das Grab zu verdecken - Grund dazu hätte man!

Die Straße zwischen dem Platz und der verbotenen Stadt ist extra breit (16 Spuren) und somit für jede erdenkliche Militärparade einsetzbar. Wie bei so ziemlichen allen Bauten, modern wie steinalt, geht es wohl primär ums Protzen. Warum brauchen Diktaturen u.ä. so enorme Statussymbole?

Da wir noch etwas Zeit hatten, dachten wir uns, es sei eine gute Idee auf der anderen Seite der verbotenen Stadt zurück zu laufen. Im Zentrum der Stadt müssen doch schließlich auch ein paar Bars und Restaurants sein, warum also nicht im Umfeld der verbotenen Stadt?! Leider irrten wir vollkommen. Die Straße, die um die verbotene Stadt führt, ist rundherum tot. Es gibt nur wenige Restaurants oder Bars, so dass außerhalb der Öffnungszeiten der verbotenen Stadt die Bürgersteige hochgeklappt werden. Da hatten wir beiden mehr erwartet! So war es ein wenig spannender und umso längerer Weg nach Hause.


Ich vermisse hier eindeutig einen heißen Grill, ein oder zwei kühle Bierchen und einen haufen fußballbegeisterter Menschen. Deutschlandspiele um 2:30h in der früh sind scheiße!!!

Sonntag, 13. Juni 2010

Hong Kong

ein Traumhaus am Stadtrand ;)

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hatte ich in den letzten drei Wochen besseres zu tun als zu bloggen ;) Ich bitte die verzögerten Beiträge zu verzeihen!

Einer der interessanten Ausflüge führte uns nach Hong Kong. Die Fahrt mit dem Bus dauert etwa drei Stunden, ist aber in einem modernen Reisebus gut zu ertragen. Der Bus fährt bis zur Grenze, schmeißt alle Fahrgäste raus und überlässt sie dort den Behörden.
Das Grenzgebäude

Vom Busbahnhof geht es dann wenige Meter in das Grenzgebäude zu den Passkontrollen der chinesischen Seite. Da ein guter Ausländer hier nicht mit dem Bus reist, waren die Schalter für alle Nicht-Chinesen nur mäßig frequentiert. Nach dem Durchqueren der erste Grenze geht es dann gleich weiter in die nächste Schlange zur Einreise nach Hong Kong. Nachdem auch das geschafft ist, verlässt man das Gebäude und steht erneut auf einem Busbahnhof. Anhand von Stickern, die jeder Fahrgast bei Verlassen des Busses auf der anderen Seite bekommen hatte, erkennen die "Touri-fänger von Hong Kong" wer in welchen Bus gehört. Wenn das alles geregelt ist, geht es weiter in die Stadt.

Von unserer Bushaltestelle, einem Luxushotel am Hafen von Kowloon sind wir zu Fuß zu unserem Hotel gewandert. Nach einem ersten skeptischen Blick auf die Fassade, konnte uns das Hotelinnere aber mehr als überzeugen.

In Hong Kong haben wir uns die verschiedenen öffentlichen (kostenlos!) Parks in Kowloon als auch auf der Insel Hong Kong angesehen, den Aussichtspunkt "The Peak" besucht, die längste Rolltreppe der Welt benutzt, eine kurze Bootstour gemacht und die ein oder andere Shopping Mall besucht. Insbesondere im Stadtteil "Central" findet das Leben kaum noch auf der Straße statt. Praktisch jedes Gebäude und alle Malls sind durch Brücken (klimatisiert natürlich) auf Höhe der ersten Etage miteinander verbunden. Auf Grund der hohen Temperaturen und des wenig erfreulich feuchten Klimas wird jede Klimaanlage natürlich dankend angenommen.
Hong Kong Park
in der Vogelvoliere im Hong Kong Park
in der Vogelvoliere im Hong Kong Park
Aussicht von "The Peak"
Hong Kong ist an/in einen Hang gebaut und wirklich steil! So bzw. ähnlich sieht ein großer Teil der Zentrums aus
die längste Rolltreppe der Welt
Kowloon Park
Kowloon Park

Ich muss sagen, dass ich die Stadt wirklich mag! Die Leute sprechen alle fließend Englisch (endlich wieder selbstständig sein, seine Belange selbst regeln zu können, ist einfach traumhaft!), sind den Umgang mit Ausländern gewöhnt und starren die komischen Weißen nicht ständig an, der Verkehr fließt ruhig und geregelt, wie es sich gehört und die Stadt ist so sauber wie kaum eine Stadt, die ich sonst irgendwo besucht habe. Viele Raucher aschen sogar in die Mülleimer ab, statt einfach die Straße zu verwenden. Der helle Wahnsinn! Wer schon einmal in China war, wird einen klitzekleinen Unterschied erkennen…

Was mich in China am meisten nervt, ist der chaotische Verkehr. Die Verkehrsteilnehmer zerstören nahezu mutwillig jeglichen Verkehrsfluss. Statt einfach mal nachzudenken oder sogar einem anderen die Vorfahrt zu gewähren wird ständig gehupt. In Hong Kong haben die Leute gelernt, dass es sich lohnt einige Regeln zu befolgen und dass Probleme oder Staus sich nicht weg hupen lassen. Das Ergebnis: Es wird praktisch gar nicht gehupt und der Verkehr fließt magischerweise!

Wozu die chinesischen Fahrkünste und ihre fragwürdige Interpretation von Verkehrsregeln führen kann, durften wir dann auf der Rückfahrt am eigenen Leib erleben. Kurz hinter der Grenze verfingen wir uns in einem Stau. Viel stehen, ein bissel rollen, der ein oder andere Versuch den Standstreifen zu benutzen und abzukürzen. Dummerweise standen immer wieder liegengebliebene Fahrzeuge auf dem Standstreifen und blockierten auch hier die letzte Möglichkeit abzukürzen. In Deutschland gibt es das System der Gassenbildung, das dazu führt, dass Rettungskräfte auch ohne Standstreifen durchkommen. In China gibt es sowas scheinbar nicht. Der Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht kam leider ebenso wenig voran, wie alle andern auch. Ein Fahrstreifenwechsel ist unmöglich, weil wirklich niemand eine entsprechende Lücke freimachen würde und somit auch keine Form des Reisverschlussverkehrs möglich ist. Letzteres hätte den Stau, der uns über eine Stunden kostete, verkürzt , wenn nicht sogar verhindert . Der Grund allen Übels war eine etwa 200m lange Sperrung der mittleren Fahrspur und die Umleitung des Verkehrs über die beiden äußeren Spuren. Warum auch direkt vor der Baustelle nur Stillstand herrschte, bleibt wohl ein chinesisches Geheimnis. Etwas Rücksicht auf die Fahrzeuge der mittleren Spur, die Nutzung eines Reißverschlussverfahrens und einer Handvoll Menschenverstand hätte diesen Stau verhindert!

Da wir auf der chinesischen Seite der Grenze aber auch noch unseren Anschlussbus verpasst hatten (Grenzkontrolle hat zu lange gedauert!) saßen wir auch dort noch 2 Stunden rum, so dass unsere Rückreise summa summarum 7 Stunden gedauert hat :(

Montag, 31. Mai 2010

hoher Besuch

Letzte Woche meldete sich dann hoher Besuch an. Meine Freundin trat ihren 3-wöchigen Chinaurlaub an.
Meine Chefs haben mir für diese Zeit überraschend frei gegeben, da ich mich schließlich um meinen Gast kümmern müsse. Als nette Zugabe haben sie noch einige Ausflüge in Foshan und Umgebung geplant.

Als erstes ging es zum größten sitzenden Buddha der Welt. Auch wenn der Titel schon viel verspricht, war ich von der wahren Größe trotzdem beeindruckt. Der Buddha steht in mitten eines wirklich großen Naturschutzgebietes. Darin befinden sich einige weitere kleine Tempel, ein Bambuswald und viele Wanderwege. Aber seht selbst:







Zu Miao 祖庙
Eigentlich hatten meine Chefs geplant mit uns ins Kloster 祖庙 zu gehen. Leider kam kurzfristig ein Termin dazwischen, so dass wir lediglich, etwas überrascht, die Eintrittskarten für das Kloster auf meinem Laptop fanden. Das Kloster liegt mitten in der Stadt und dient als Museum für die Entwicklung des Kung Fus. Viele Namenhaften Entwicklungen rund um diese Kampfkunst stammen aus dieser Region Chinas. Heute wird das Kloster noch immer von einigen Mönchen bewohnt und zu Trainingszwecken genutzt. Viele interessierte Kampfsportler aus dem Westen reisen in dieses oder auch andere Klöster der Region um ihre Kampfsportfähigkeiten auszubauen. Während unseres Besuchs nahm auch ein Weißer am Training der Mönche teil. Im Vergleich zu den Chinesen bewegte er sich jedoch recht hölzern ;)
Darüberhinaus ist das Kloster schön hergerichtet und bietet viele kleine Teiche und Gebäude, in denen man den Stress der 50m entfernten Stadt einfach vergessen kann.






Der größte liegende Buddha (der Region) und ein altes Dorf
Der nächste Ausflug führte uns zu einem großen liegenden Buddha. Das Gelände um den Buddha herum befindet sich zum Teil noch um Bau, so dass es im Vergleich zum ersten Buddha nicht mithalten kann.



Neben dem Buddha befindet sich auf dem Parkgelände noch ein tibetisches Kloster. Leider ist es nicht in besonders gutem Zustand und liegt etwas abgelegen…Da tibetische Klöster allerdings recht selten sind, war es natürlich toll eines zu besuchen ;)


Die Buddhas werden ausschließlich durch Spenden der immer wohlhabenderen Chinesen finanziert, die für ihren Erfolg danken wollen. Die Buddhas sollen außerdem das Fengshui der Region verbessern. Die Auswahl der Berge für solche Statuen beruht im Grunde nur darauf...

Im Anschluss sind wir dann in ein altes Dorf (etwa 200 Jahre alt) gefahren. Das Dorf wurde von einem General und seinen Angehörigen bewohnt. Es war ein Geschenk für seine treuen Dienste. Es ist schon imposant zu sehen, dass die Chinesen vor 200 Jahren in der Lage waren eine funktionierende Reihenhaussiedlung inklusive Kanalisation zu errichten und zu unterhalten. Viele der Gebäude sind inzwischen zerfallen, vermitteln aber immer noch einen guten Eindruck vom Leben in dieser Siedlung. Derzeit ist diese Dorf nicht für Touristen erschlossen, so dass sich auch nur wenige Fremde dorthin verirren. Dafür erlaubt gerade dieses Detail ein ganz anderes China kennenzulernen.




Nach all der Kultur steuerten meine Chefs dann ein kleines Restaurant in der Nähe der Siedlung an. Wie man auf dem Foto erkennt, wirkt es nicht sonderlich vertrauenerweckend. Das Essen war aber wohl das beste, was ich hier bisher bekommen habe. Die Küche war praktisch offen im Hof mit einem großen Wok über offenem Feuer. Das deutsche Gesundheitsamt hätte sich wahrscheinlich nicht einmal die Mühe gemacht Proben in dem Laden zu nehmen und es direkt dicht gemacht, aber wer braucht schon saubere Kühlschränke, wenn das Fleisch erst wenige Stunden vor der Zubereitung erlegt wird!? Der Fisch und das Fleisch sind fast überall vom selben Tag...