… letzte Woche war wie bereits berichtet nur mäßig spannend. Interessant wurde es am Donnerstag. Dr. Gan nahm zwei Praktis aus Neuss und mich mit nach Zhongshan. Dort wurde in Kooperation mit der Firma hier ein erfolgreicher Industriepark aufgebaut, der nun um ein Technologiezentrum erweitert werden soll. Am liebsten wäre es Ihnen, wenn sie das Konzept der German Center, wie in Shanghai oder Peking, übernehmen könnten. Das Spannende an dem Ausflug war aber weniger das Konzept ;)
Da wir drei Deutschen angemeldet waren, hatten sich die Bosse drauf geeinigt, dass wir eine Führung durch den Industriepark bekommen würden. Diesmal kam keine Planänderung dazwischen und der Führung stand nichts im Wege. Wir wurden also dem Business Investment Office - Vice-Manager (das steht so auf der Visitenkarte) vorgestellt, der uns durch den Park begleiten sollte. Nach zwei Sätzen war auch schnell klar, dass unsere Gespräche wohl nicht ausarten würden. Der gute Mann sprach leider noch weniger Englisch als ich Chinesisch (und das ist schon schwierig). Wir fuhren also durch den Park und er versucht mir auf Chinesisch zu erklären, was das alles so sein könnte. Meine grandiosen Sprachfertigkeiten reichten dann meist dazu, um zu verstehen, worüber er sprach, nur leider nicht, was er mitteilen wollte.
Beispiel: Auf der Seite seht ihr… Hier ist das… Dahinter ist… Links liegt das… Diese 3 Gebäude sind…
Einige Gebäude sowie ein Park waren tatsächlich ganz nett anzusehen. Zurück im Büro haben wir uns dann erstmal an seinen Rechner begeben und mit Hilfe des yahoo-Übersetzers, die wichtigsten Infos in eine richtige Sprache übertragen. Ich frage mich immer noch, wie sie Firmen aus dem Ausland anlocken können/wollen. Ständig einen Dolmetscher auf den Füssen stehen zu haben, ist keine Freude. Eine Präsentation mit Dolmetscher ist es übrigens auch nicht - weder für Zuhörer noch für den Sprecher!
Das Essen zum Abschluss war immerhin wieder ein großer Genuss mit ein paar Bier und leckerem Fleisch, Fisch, Gemüse…kurz allem was man in China so erwarten kann.
Gestern wurde es dann kurios! Nach dem Mittagessen ist Schlafenszeit. Die Lichter in den Büros gehen bis 13:30h aus und jeder macht es sich an seinem Schreibtisch bzw. auf dem Sofa, wenn er eins hat, gemütlich. Da meine Klimaanlage bis heute kaputt war, war mein Schlaf dementsprechend dürftig und ich hundemüde. Als ich pünktlich um 13:28h (ich hab den Rhythmus sehr schnell verinnerlicht ^^) aufwachte, lag ein Zettel auf meinem Tisch. Der Chef habe mit den chinesisch Lehrerinnen der andern Praktis gesprochen, ich solle um 15:30h mit Ihnen nach Hause fahren.
Danke für die Info und natürlich danke dafür, dass ich während der Überbringung nicht geweckt wurde ;). Da ich aber jegliche nutzlose Arbeit bereits erledigt hatte, hatte ich keinen Bock mehr zu warten und bin bereits um 14h auf eigene Faust losgezogen. Nach einer ausgiebigen Pause bei Starbucks und dem Studium der chinesischen Presse (in Shanghai werden alle Gebäude, die vor 1999 gebaut wurden innerhalb der nächsten 20 Jahre abgerissen!) war ich um kurz nach 4 wieder zu Hause. 20min später klingelte das Handy…ich solle mich fertig machen…Abendessen auswärts… wir wurden von den Eltern eines der Teilnehmer am Austausch mit der FH Aachen eingeladen. Also wieder was Leckeres vor die Stäbchen. Mein Zeitmanagement war grandios. Wäre ich tatsächlich bis halb 4 in der Firma geblieben und hätte ich brav meine Zeit abgesessen, wie es die Chinesen meist tun, hätte ich mich reichlich beeilen müssen. Das Essen brachte auch wieder was spannendes: meine dritte Schlangenvariante und Gemüse mit Schlangenhaut. Das Zeug wird zwar nicht auf die Liste meiner Leibgerichte gesetzt, aber als Abwechslung zwischendurch darf man es ruhig mal auf den Tisch stellen.
Heute sind wir dann nach Yunfu gefahren. Eine kleine (3 Mio. Menschen) unterentwickelte Stadt, 130km entfernt. Reisezeit über die wirklich gute Autobahn: 2:30 Std, ohne Stau oder Unfall! Der erste Eindruck war wenig überraschend. Was Chinesen unter einem Zentrum verstehen habe ich ja bereits am Beispiel der Möbel- und IT-Zentren beschrieben. In Yunfu gibt es dementsprechend mehr als 1000 (ich meine wirklich tausend) Steinhändler entlang einer langen Straßen. Die Geschäfte dort bedienen den gesamten chinesischen Markt und versuchen sich ebenso am Export ihrer Waren. Als Zentrum rangiert Yunfu an Position 3 in China. (Ohne Planwirtschaft würde es solche "Zentren" wahrscheinlich nie und nimmer geben!)
Wir sind dann zum "Investment Promotion Service Center" der Stadt gefahren. Das Gebäude und die Räumlichkeiten sind richtig abgewrackt! Im letzten Raum, der mit 2 Sofas, 3 Teekannen und eine Klimaanlage eher einem Verließ glich, fanden wir unsere Gesprächspartner. Mein Tipp: Dieses Gebäude ist für jeden Investor tabu! Die Überraschung des Tages: Ein Vertreter der Büros sprach brauchbar Englisch. So konnten Jens und ich unsere Aufgabe erfüllen und ein paar halbwegs kritische Fragen über den Industriepark stellen. Das winzige Projekt, ~300 Mio €, will nicht viel mehr erreichen als eine neue Stadt neben der alten Stadt hochzuziehen. 2 Häfen, 1 Bahnlinie, 2 Autobahnen, Stadtzentrum, Wohnanlagen, 1 CBD und natürlich der Industriepark selbst. An sich sind wieder alle scharf auf ausländische Investoren. Dummerweise haben bisher nur chinesische Firmen unterschrieben… Nach einem Blick auf den Plan und einige hübsche Bildchen ging es dann auf Tour durch die Baustellen des Parks. Im Anschluss…oh Wunder…na, wer errät es…na, kommt schon…genau: Mittagessen! Hinter dem Rathaus, eines der ganzen wenigen in China ohne hohe Mauern und Soldaten am Tor, liegt ein netter Park mit Gästehäusern für Gäste der Behörden und Restaurants für Veranstaltungen mit und von den Behörden. Nach einem leckeren "Schmeiß -Rein" haben wir uns wieder auf die Heimreise gemacht…
Morgen geht es wieder ins Büro…drückt mir die Daumen!

das besagte Rathaus

Warum können unsere modernen High-Tech LKWs eigentlich so wenige Fahrzeuge transportieren?