Dienstag, 27. Juli 2010

Mal was Neues...

Heute morgen war eigentlich ein Treffen in der Firma geplant. Nachdem ich irgendwann keine Lust mehr hatte zu warten, hing ich dann am Telefon. Und siehe da, genau, das Treffen fiel kurzfristig aus. Da kurzfristig nichts weiter anlag, habe ich mich in den Bus gesetzt und bin quer durch die Stadt zu Starbucks (der einzige in Foshan!) gefahren. Schon praktisch, dass der Bus in der Nähe der Firma auch direkt zu Starbucks fährt ;).

Während ich dort meinen Kaffee schlürfte, kam einer der Angestellten und fragte mich, ob ich Student an der Uni sei. Er erinnere sich an meine Haare. Ich wäre doch öfter in der Mensa gewesen… so klein ist die Welt. Blonde Haare reichen aus, um überall in der Stadt wiedererkannt zu werden. Bei nur 7 Mio Einwohner ist das ja auch nur zu verständlich^^

Um halb 5 kam dann plötzlich mein Chef zu mir und meinte, dass wir in 30min losfahren - Meeting. Also fix wieder umziehen und ab in ein Restaurant zum Meeting. Das Meeting diente der Vorbereitung einer Dienstreise nach Yunfu, einer unterentwickelten Stadt in der Umgebung. Wenn/Falls die Bestätigung am Donnerstag kommt, fahren wir Fr und Sa rüber und schauen uns die Örtlichkeiten an.
Das Essen hatte aber immerhin mal wieder was Neues zu bieten. Meine erste Schildkrötensuppe! Jede Suppe umfasste je eine etwa faustgroße Schildkröte, etwas Gemüse und Geflügelfleisch. Die Schildkröte war nicht so besonders, viele Knorpel und wenig Fleisch. Nun ja… ich habe ja gesagt, dass ich alles mal probieren werde!


von da, über einen kurzen Umweg durch die Küche, in meine Suppe!

Samstag, 24. Juli 2010

Noch mehr Deutsche

Am vergangenen Wochenende sind 5 Praktikanten (18-19 Jahre alt) aus Neuss eingetroffen. Der Kreis oder die Stadt finanziert einen Großteil ihres zweimonatigen Aufenthalts. Die ersten Tage waren recht hart für die Jungs. Die Unterkunft, ein Hotel in der Nähe des Campus, entsprach nicht ganz ihren Erwartungen. Der Ausblick auf eine Baustelle und Mehrbettzimmer, die zum Teil nochmal gereinigt werden mussten, kamen wohl etwas unerwartet. Inzwischen haben sie sich aber besser eingelebt. Das Essen mit Stäbchen klappt inzwischen, das Essen (wir haben seit 1,5 Wochen eine Köchin!) schmeckt ihnen und die ersten Ausflüge konnten ebenso überzeugen. Ich bin mal gespannt, wie sich ihre Begeisterung weiter entwickelt. Die nächste größere Baustelle dürfte das Überwinden der 24-stündigen Bemutterung durch die betreuenden Studenten sein. Sie studieren Chinesisch auf Lehramt und unterrichten die Praktis. Zusätzlich begleiten sie sie bei Touren durch die Stadt und zu anderen Sehenswürdigkeiten. Obwohl heute Sonntag ist, kreuzten die beiden eben nach dem Mittagessen hier auf. Dr. Gan hatte ihnen den Auftrag gegeben irgendwas zu besuchen - ein Kloster oder so. Leider wusste die Gruppe der Praktis nichts davon, die diese Überraschungen nicht sonderlich schätzen.

Da die deutsche Horde bei uns im Appartement isst, wandern sie entsprechend häufig über den Campus. Nach nur 2 Tagen fragten mich meine chinesischen Bekannte irritiert, ob ich wisse, wo die Europäer alle herkämen und was sie hier wollen. Es spricht sich eben schnell rum, wenn Ausländer auftauchen…

Für mich war die Woche dann ziemlich langweilig. Wir haben für die Betreuung der Praktis ein Büro eingerichtet bzw. die Einrichtung überprüft. In diesem Büro werden die Praktis Chinesisch lernen. Im Anschluss wird das Büro dann für ein Projekt zum Aufbau eines Technologieparks in einer nahegelegenen Stadt genutzt. Von derartigen Projekten ist immer mal wieder die Rede… praktisch habe ich noch keins gesehen, in dem mehr als warme Worte ausgetauscht wurden. Diesmal soll aber ein konkreter Auftrag vorliegen und auch bereits Personal aus den anderen Abteilungen für das Projekt umgeplant worden sein. Leider werde ich nicht mehr erleben, ob diesmal alles anders sein wird. In 40 Tagen bin ich schließlich wieder zurück.
Sonst gab es ein paar Meetings und viel Leerlauf. An sich war geplant, dass ich ab Mittwoch in eine andere Abteilung komme. Dummerweise blieb der finale Anruf aus. Donnerstag rührte sich dann auch nichts… Meine Chefs könnten auch nur mit den Schultern zucken und sagen, dass könne in China eben passieren - das sei typisch!

Wirklich erfreulich ist, dass meine Brieffreundschaft mit emirates nun beendet ist. Mein Flug konnte umgebucht werden und die entsprechenden Kosten sind geringer als zwischenzeitlich vermutet. Dazu ist auch geklärt, dass ich in Shanghai für eine Woche unterkomme und höchstwahrscheinlich (hier meine ich die deutsche Bedeutung des Begriffs) eine persönliche Führung über die Expo bekomme inkl. der Möglichkeit die stundenlange Wartezeit vor den Pavillons zu verkürzen.
Die letzten 6 Wochen könnten also, zumindest zum Teil, noch recht spannend werden.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Servicewüste China

IT Techniker
Leider fällt bei uns ständig das Internet aus. Nach mehreren Wochen und einigen Ausfällen kam nun ein Techniker. Der Gute sah aus der Entfernung, dass der Grund für die Ausfälle der Router sei, der bei Schwankungen im Stromnetz durcheinanderkäme. Da in der Nähe ein alter Wlan Router rumlag, schlug er vor diesen stattdessen einzusetzen. Während der Konfiguration sah ich dann, dass er eine veraltete Verschlüsselung, die als unsicher gilt, auswählte (WEP). Auf meinen Vorschlag WPA oder WPA2 zu nehmen, klickte er etwas in der Konfigurationsmaske rum, verstand aber wohl nicht recht was das so alles bedeutet. Am Ende stellte er doch wieder WEP ein :( . Auf meine Frage wieso er das tue, antwortete er, dass WEP die Standardeinstellung sei und sie deshalb benutzt werden sollte.(Meine Fragen und die Antworten wurden immer übersetzt.)

So ein Unsinn! Leider ist die Konfiguration nur auf Chinesisch zu machen, so dass ich es nicht selbst machen kann.

Emirates Guangzhou
Derzeit versuche ich meinen Flug umzubuchen. Meine erste Anlaufstelle war das Reisebüro in Deutschland. Die haben mit Thomas Cook gesprochen und sind sich einig, dass sie nichts machen können. Ich sollte mich direkt an emirates wenden. Emirates Deutschland hat mir bestätigt, dass ich umbuchen könne, dafür aber emirates in Guangzhou kontaktieren solle. Stand heute nach 6 Mails an emirates Guangzhou und 5 Antworten: es ist wieder jemand anders zuständig. Außerdem ist plötzlich von zusätzlichen Gebühren die Rede.

Diese Konversation ist erneut ein Beispiel für die chinesische Arbeitsweise. Eine Frage, die nicht ausdrücklich gestellt wird, wird auch nicht beantwortet.

Good morning
 
We are sorry to inform you for the following reservation,  there is no K class available on 4sep and 5sep. 
(das ist die komplette Mail!)

Ich hätte irgendwie damit gerechnet, dass sie mir mögliche Ausweichtermine vorschlagen und entsprechende Extrakosten direkt mitgeteilt werden. Naja, solche exotischen Wünsche kann auch nur ein verrückter Deutscher haben.

Ich bin gespannt, wie lange diese Brieffreundschaft noch hält ;)

Update: Meine letzte Mail wurde inzwischen nach Deutschland weitergeleitet :)

Prüfungen und Trip nach Guangzhou

Nach der Werbung für das Programm mit der FH Aachen kamen nun zwei Profs der FH Aachen und der FH Bielefeld zu Besuch, um die Einschreibungstests abzunehmen. Sie ersetzen alle anderen Einschreibekriterien, wie z.B. den gaokao.
In der Woche vor dem Test hatte ich die Ehre mit einem Teil der Schüler ihr mündliches Englisch zu verbessern. Den meisten fehlt es einfach an Übung, die Hürde zu sprechen ist noch zu groß (das wäre bei deutschen Absolventen jedoch vergleichbar, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt). Als Vorbereitung auf die mündliche Prüfung (5-10min Dialog mit einem Prüfer) versuchte ich mit den Schülern über ihre Motivation zu sprechen. Einfache Fragen, wie "Warum möchtest du in Deutschland studieren? Warum in Deutschland und nicht in England, Kanada oder den USA? Warum möchtest du das Fach x studieren…" blieben häufig ohne Antwort. Die Schüler haben sich diese Frage nie gestellt und hatten keine Ahnung, was sie mit der Frage anfangen sollten. Stattdessen antwortete die fitteste der Teilnehmerinnen mit einer Gegenfrage bezüglich meiner Motivation nach China zu kommen. Erst meine Antwort führte dazu, dass die Schüler verstanden, welches Ziel diese doofe Frage nach der Motivation hat. Meine Chefs erzählen mir in solchen Situationen gern, wie wenig Zeit die Schüler hätten und dass neben dem Schulalltag keine Zeit bleibe, um sich Gedanken um seine Zukunft oder persönliche Ziele zu machen. Weiterhin seien die Schüler kaum in der Lage solche Entscheidungen zu treffen - ein wirklich armseliges Bildungssystem!
Das gilt vor allem, wenn man den Tagesablauf der Schüler betrachtet. Die meisten Schulen sind Internatsschulen. Die Schule, in der wir häufig aufkreuzen, weckt die Schüler um 6. Um 7 beginnt eine halbe Stunde "reading" in der die Schüler englische Texte lesen sollen. Danach beginnt bis 11 der Unterricht. Von 11 bis 14h ist dann Mittagspause und Mittagsschlaf vorgeschrieben. Danach ist wieder bis 17h Unterricht. Im Anschluss folgen Abendessen und Hausaufgaben bis 22:15h. Das ganze findet Mo-Fr statt. Samstag endet der Unterricht gegen Mittag. Dann geht es nach Hause, bis Sonntag Nachmittag. Gegen Abend müssen die Schüler wieder zurück sein. Es kann allerdings passieren, dass auch Sonntags plötzlich eine Klausur geschrieben wird (war letzte Woche der Fall!).
Es ist erschreckend zu sehen, wie viel Zeit die Schüler in der Schule verbringen und wie wenig dabei rauskommt.
Das wirklich interessante ist, dass die gaokao-Prüfungsaufgaben z.B. in Mathe das Niveau in Deutschland (wahrscheinlich auch LK-Niveau) überschreiten. Selbst die Profs fanden die Aufgaben in Physik (E-Technik Prof) happig. Leider können viele Schüler die relativ leichten Matheaufgaben des deutschen Tests kaum lösen. Abzüglich der Probleme, die englische Aufgabenstellung (darauf wurden sie vorbereitet!) und eine fremde Art der Aufgabenstellung zu verstehen, bleibt es dennoch bemerkenswert. Ein Blick in chinesische Buchhandlungen erklärt wiederum sehr eindrucksvoll, was Sache ist. Die größte und bestbesuchte Abteilung in den meisten Buchhandlungen ist die Schulbuchabteilung. Hier gibt es Übungsbücher und Sammlungen ehemaliger gaokao-Prüfungen, die man dann fleißig pauken kann. Fleißig verstehen ist aber was anderes ;)

Der Besuch der Profs hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte wieder etwas niveauvollere Gespräche auf Deutsch führen. Leider ist das trotz 10-jährigem Deutschlandaufenthalts meines Chefs mit ihm kaum möglich. Auch die Vertreterin aus Aachen, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, stellt ihr nur eine kleine Verbesserung dar.
Da die Profs, aus irgendwelchen Gründen, einen guten Eindruck von mir bekommen haben, haben sie mich eingeladen am Sonntag mit ihnen nach Guangzhou zu fahren und die Stadt zu erkunden.

Auf Grund der Asienspiele, die im Oktober in Guangzhou stattfinden, gleicht die Stadt einer einzigen Baustelle. Insbesondere Straßen werden erneuert (auch wenn sie angeblich erst 6 Monate alt sind!) und die Verkehrsführung beliebig verändert.
Tagsüber waren wir in einem Museum einer alten Grabkammer, Nachmittags kurz shoppen bis wir Abends eine Bootstour auf dem Perlfluss gemacht haben. Die Ufer und die Gebäude in der Nähe werden Abends hübsch beleuchtet. Der Höhepunkt ist der Fernsehturm am Ende der Strecke.


Montag, 5. Juli 2010

ich bin schon zu lange hier ;)

Die letzten Tage waren schon merkwürdig ;)

Wenn ich nach Hause gefahren werde, kann ich ortskundigen Leuten den kürzesten Weg erklären und im Restaurant lege ich die Gabel weg und bestelle mir Stäbchen!

Letzte Woche war nur eingeschränkt spannend. Wir haben Werbung für eine Kooperation mit der FH Aachen gemacht. Dazu saßen wir den ganzen lieben langen Tag in einer Schule rum und haben auf interessierte Eltern samt ihrem Nachwuchs gewartet. Leider war die Werbung für das Programm nicht so erfolgreich, wie erhofft, so dass viel Leerlauf herrschte. Für Samstag war dann das lokale Fernsehen eingeladen, die einige hübsche Bilder der Info-gespräche als auch ein oder zwei Interviews machen wollten. Auch nach dem Aufbau der Kamera hieß es noch, dass auch ich interviewt werden sollte. Naja in China ist der Plan nur so gut (wenn mal sowas existiert), wie die Planänderung. Genauso spontan, wie mein Interview mir gegenüber bekanntgemacht wurde, wurde es auch wieder gestrichen.

Sonntag wurde ich dann eingeladen einen wunderschönen Park zu besuchen. "Park" trifft es allerdings nicht wirklich. Der "Park" umfasst einen Wald, einen Country Club, mehrere 5*-Hotels und einen 27-Loch Golfplatz. Leider konnte ich dort nicht spielen :( Im Anschluss sind wir dann noch Shrimps fischen gegangen. Mal eine ganz neue Erfahrung!

Heute startete dann der einwöchige Vorbereitungskurs für die chinesischen Bewerber, bevor sie Samstag die Prüfung bestehen müssen. Eigentlich wurde mir gestern gesagt, dass ich Di einen Teil der Stunde "spoken english" dazu nutzen soll, um einen Vortrag über das Hochschulsystem in Deutschland zu halten und den Unterschied zwischen FH und Uni zu thematisieren. Das galt auch noch bis etwa 10h. Dann hieß es, dass ich den Block bereits um 11 einbringen soll. Mir ist wirklich ein Rätsel, ob ich hier einfach an Leute geraten bin, die zu den chaotischen Chinesen gehören oder ob so ein Quatsch normal ist. Meine sonstigen Erfahrungen lassen eher auf ersteres schließen...Morgen habe ich auch wieder einen Block...Thema weiß ich aber noch nicht. Es ist ja erst Mitternacht und der Block um 8:30h morgen früh - Flexibilität ist eben alles! Fragt ja nicht, ob eine Outline oder ein schriftlich einzusehendes Konzept für diese Stunden existiert. Wenn sowas existiert, dann irgendwo in einem Kopf.

Für alle AIESECer: Diese Woche kann ich als ET verbuchen.

Ich werde jetzt schlafen gehen und meine Finger mit Ideen vollpumpen, so dass ich mir morgen genügend Stoff aus den Finger saugen kann ;)