Samstag, 10. April 2010

Dies und das

Nach einigen Tagen schöpferischer Pause und mehreren Beschwerden blogge ich nun wieder. Erste Änderung: Die Tageszahl im Titel entfällt, weil mir die Zählung zu aufwändig wird ;)

Die letzten Tage waren wieder sehr spannend. Mein Chef hat mir das Geschäftsmodell der Firma beschrieben und dabei die Möglichkeiten und Eigenarten der Provinz Guangdong und insbesondere der Stadt Foshan betont. Vor allem eine liberale Wirtschaftspolitik und viele Unterstützungsmöglichkeiten durch die Behörden seien hier genannt. In der Region Guangdong werden seit vielen Jahren Reformen, u.a. zur Liberalisierung der Märkte ausprobiert, die später landesweit eingeführt werden. Daraus resultiert ein Vorsprung gegenüber anderen Regionen. Die relative Wirtschaftskraft der Provinz ist für einen Großteil des Wirtschaftswachstums des Landes verantwortlich. Regionen wie Peking und Shanghai wiederum profitieren stark von Zuschüssen der Landesregierung und konnten nur so ihre Position erlangen. Eine weitere Eigenschaft des Marktes hier ist ein geringeres Maß an Planwirtschaft und Eingriffen in die Unternehmenspolitik und -führung.

Ein weiteres interessantes Thema waren praktische Beispiele verfehlter Produkt- und Personalpolitik deutscher Unternehmen.
Ein Joint Venture aus einem großen, uns allen bekannten Unternehmen (Sitz in der Nähe von Kl) und dem damaligen chinesischen Marktführer für Durchlauferhitzer scheiterte nachdem das dt. Unternehmen die erprobten chinesischen Durchlauferhitzer durch neue hochwertigere Produkte ersetzen wollte. Die neuen Geräte waren natürlich viel teurer, zu teuer im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten. Dazu kam, dass die Geräte, die für den chin. Markt hergestellt wurden eine gleichbleibend hohe Gasqualität und Gasdruck benötigen. Beides ist in China nicht gegeben. Das technische hochwertige Produkt ist leider vollkommen am hiesigen Markt vorbeientwickelt worden. Durch immer größeren dt. Einfluss und Anforderungen an die Qualität stand der chin. Partner der Pleite nahe, bis die Partnerschaft getrennt wurde und das dt. Unternehmen sein Engagement in diesem Marktsegment in China beendete. Inzwischen steigen die Marktanteile des chin. Partners wieder stetig, der mit eigenen Produkten erfolgreich ist. Fazit: Nicht das technisch bester Produkt gewinnt, sondern das Produkt, dass technisch im Vergleich zur Konkurrenz überzeugt, aber nur wenig teurer als sie sein darf.

Ein weiteres Problem dt. Firmen ist, dass viele dt. Führungskräfte zu wenig interkulturell geschult und interessiert sind. Viele legen Wert darauf auch längere Zeit in 5*-Hotels zu wohnen oder in entsprechenden Wohngebieten für ausländische Führungskräfte zu leben. Ein Vorbildcharakter für die Belegschaft und den ressourcenschonenden Umgang mit Unternehmenseigentum (aus Sicht der Kollgen lange überteuerte Aufenthalte im Hotel gelten als Geldverschwendung) existiert häufig nicht. Dies fördert eine sowieso schon große Distanz zu den Kollegen und verhindert eine Zusammenarbeit, die hier nur auf Basis einer persönlichen Beziehung funktioniert.

Interessant war auch zu erfahren, wie wichtig Fengshui für viele Chinesen ist. Nachdem die Foshan Rhine ein neues Bürogebäude in einem Industriepark errichtet und bezogen hatte, verringerten sich die Erfolge. Erklärt wurde mir das durch die, nach Fengshui schlechte Lage des neuen Gebäudes. Für wichtige Projekte gibt es nun also noch ein weiteres Büro in der Stadt, dass besser gelegen ist. Ich persönlich würde sagen, dass ein repräsentatives (für dt. Verhältnisse ist es das ganz und gar nicht!) Büro in stadtnähe sowieso große Vorteile hat und die Entfernung zu den Behörden und Kunden den Ausschlag gibt. Naja… manchmal versetzt Glaube eben auch Berge oder Dollars!

Lehrreich war auch eine Zusammenfassung der Geschichte Chinas mit Bezug auf Tibet. Äußerst interessant, dass mal aus chinesischer Sicht mit Einfluss ausländischer Informationen erklärt zu bekommen. Ob der Anspruch der einen oder anderen Seite nun berechtigt ist oder nicht, ist und bleibt für mich auch weiter Auslegungssache. Da aber auch die Profis sich da auf nichts festlegen wollen, kann ich mit dem Makel gut leben.

Auch die nächste Woche dürfte wieder sehr spannend werden! Montagnachmittag eröffnet Foshan Rhine ein neues Büro in einer Berufsschule. Das Unternehmen arbeitet unentgeltlich an der Umstellung der Lehrpläne mit. Ziel ist es die deutschen Lehrpläne zu übernehmen und an die Realitäten vor Ort anzupassen. Durch solche gemeinnützigen Projekte kann man eine gute Basis mit den Behörden aufbauen, die andernfalls z.b. durch Bestechungen nachgebessert werden müssten. Unterm Strich bleibt es das gleiche nur, dass kein Geld in privaten Taschen versickert.

Außerdem habe ich meine ersten zwei Aufgaben: Ein Bericht zur Beurteilung des IT Zentrum und Chancen für deutsche Unternehmen sowie eine Deutschlandpräsentation in einer chinesischen Highschool am Freitag. Diese Aufgaben kommen mir vor wie kleine Prüfungen um festzustellen, für was ich geeignet bin. In diesem Umfeld kann ich noch nichts kaputt machen und keiner verliert sein Gesicht.

Negatives Feedback (alle @ Trainer dürfen mich für den Ausdruck gern steinigen^^) findet einfach nicht statt. Vor 2 Tagen fiel eine meiner Chinesischübungen nicht so gut aus. Am nächsten Tag klappte eine Übung sehr gut und Fr. Jiang schrieb 100% auf den Zettel und meinte, dass sie am Tag zuvor nichts schlechtes unter die Aufgabe schreiben wollte. Fazit: Lieber gar kein Ergebnis als ein schlechtes!

Anmerkung:
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1 Kommentar:

  1. hi basti,
    danke für die ganzen Eindrücke die du hier postest. Sind immer wieder sehr sehr spannend und vor allem dieser Eintrag hat mir sehr gefallen. Gerne mehr davon!
    gruß Basti

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